Adolf Luther: "Bis die Maus im Haus ist", 1983

Adolf Luther

"Bis die Maus im Haus ist", ca. 1983

Fotomontage mit sphärischen Spiegeln, 23 x 56 x 10 cm
N 9260
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auf dem Foto oben rechts Beuysstempel,
unten von Luther und Beuys signiert „Luther Beuys”
rückseitig vermutlich von Adolf Luther handschriftlich oben links betitelt „Bis die Maus im Haus ist”, oben rechts betitelt „Die Leuchtblicke des Joseph B.”, unten links nummeriert „10/12"
  
Auf dem Foto dieser Edition ist neben Joseph Beuys auch Heiner Stachelhaus zu sehen, der als NRZ-Redakteur in den 1960er bis Ende der 1990er Jahre einer der bekanntesten Kunstjournalisten der Region gewesen ist. Er reiste Ausstellungen und Künstlern wie Heinz Mack, Otto Piene, Günther Uecker, Adolf Luther oder Bernard Schultze nach und war mit vielen von ihnen auch enger befreundet.
Das Foto für diese Arbeit entstand 1978, als Joseph Beuys, Heiner Stachelhaus und Adolf Luther von Wilhelm Hack eingeladen wurden, ihn in Ludwigshafen zu besuchen: „Luther hat auf der Hinfahrt im Zug von den nebeneinander sitzenden Beuys und Stachelhaus ein Foto gemacht. Erst Monate später ließ er Abzüge von dem Film machen, die allerdings seitenverkehrt ausfielen. Daraufhin bestellte Luther eine weitere Serie ,richtiger’ Abzüge. Durch ein spielerisches Zusammenfügen des ,falschen’ mit dem ,richtigen’ Abzug ergab sich, daß Stachelhaus mit einem Male von zwei gleichen Beuys flankiert war. Dies inspirierte Luther zu der Kooperationsidee, die Beuys ebenfalls witzig fand. So wurde das Kooperationsprojekt beschlossen. (…) Die Jahreszahl 80 wurde gewählt, weil sich niemand von uns damals festlegen wollte, wann genau die Ludwigshafen-Reise stattgefunden hatte.”1
Das Kunstobjekt wurde dann von Adolf Luther in einer Auflage von 12 Exemplaren in Krefeld kreiert und ist ein Zeitdokument, jedes Exemplar setzt sich ein wenig anders zusammen: aus Glas- und oder Spiegelfragmenten, manche auch zusätzlich mit Filzstreifen. Nur im Objektkasten von Exemplar Nummer 1 befindet sich eine konservierte tote Maus als Hinweis auf Beuys, diese Arbeit gehört der  Adolf-Luther-Stiftung. Deren Leiterin Magdalena Broska erklärt das Multiple wie folgt: „Die Verdoppelung von Joseph Beuys, rechts und links von Heiner Stachelhaus, weist auf das Spiegelmotiv im Werk von Luther hin, die Glasstreifen bzw. Glasfragmente auf die Verwendung seiner bevorzugten, technoiden Materialien Glas und Spiegel. Die Maus dagegen repräsentiert das ganz andere organische Materialverständnis von Joseph Beuys. Beide Künstler, Joseph Beuys und Adolf Luther stehen für zwei völlig unterschiedliche Kunstauffassungen der deutschen Nachkriegsavantgarde. In diesem Multiple, das sich dem spontanen Einfall und dem dadaistischen Witz der Künstler auf einer gemeinsamen Reise verdankt, findet dies einen spielerischen Aus druck.”2
  
1 Heiner Stachelhaus: „Zum Beuys-Luther-Objekt”, in: Ausstell.-Kat. „Joseph Beuys, Zeichnungen – Skulptur –Objekte – Multiples”, Galerie Heinz Holtmann, Köln 1989, S. 110.
2 Email von Magdalena Broska vom 15. 9. 2009, zitiert nach: Günter Herzog: „Heiner Stachelhaus”, in: ZADIK (Hrsg.), Heiner Stachelhaus, Nürnberg 2009, S. 67.
      
(Eva Müller-Remmert)
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