Emil Hansen hieß der im Dorf Nolde im deutsch-dänischen Grenzland geborene Bauernsohn, der sich nur schwer in kunsthistorische Schul- und Epochenzusammenhänge einordnen lässt und einer der bedeutendsten Expressionisten wurde. Er blieb ein Einzelgänger, auch wenn er 1906 in die Dresdener Künstlergemeinschaft ”Die Brücke” eintrat, aus der er bereits ein Jahr später wieder ausschied. Das bestimmende Medium in Noldes Werk war stets die Farbe, die seit den 20er Jahren zunehmend zarter und transzendenter wurde. Dabei ermöglichte vor allem das Aquarell feinste Nuancierungen. Nolde trägt die Aquarellfarbe nicht in eine Vorzeichnung auf. Sie entfaltet sich selbst frei von jedem Umriss oder irgendeiner Linie. Emil Noldes ”Rote, blaue und gelbe Tulpen” sind beispielhaft für seine Technik: Die transparenten Farben zerfließen auf und in dem stark saugenden Papiergrund und entfalten so ihre Leuchtkraft und Tiefenwirkung. Die Blütenränder erscheinen leicht ausgefranst. Durch diesen Umgang mit der Farbe ist die Komposition nicht starr und linear, sondern offen und bewegt. Die Büste einer kleinen, exotischen Holzskulptur bestimmt das Bild - sicher wurde sie vom Künstler von einer seiner vielen Reisen mitgebracht. (Eva Müller-Remmert)