Gabriele Münter gehört zu den bedeutendsten Künstlerinnen der klassischen Moderne in Deutschland. 1908 lässt sie sich gemeinsam mit Wassily Kandinsky in Murnau nieder. Das Zusammentreffen mit Marianne von Werefkin und Alexej von Jawlensky bedeutet eine Wende in ihrem Schaffen. Seit 1911 gehört sie zu der Künstlergruppe "Der blaue Reiter", an deren Ausstellungen sie teilnimmt. In diesem späten Blumenstillleben spielt Gabriele Münter mit der Bild-Raum-Illusion und der Malfläche. Uns bleibt stets deutlich bewusst, dass wir nicht in einen Raum, sondern auf eine Fläche sehen: Der Bildhintergrund lässt stellenweise den Malgrund durchschimmern, ebenso wie an den Rändern der Blüten und Blätter Farbe fehlt oder der Pinselstrich "drumherum" deutlich sichtbar ist. So entsteht ein Hin und Her aus der Illusion einer Vase vor unbestimmbar tiefem Hintergrund und aus der Erkenntnis, wie es gemalt ist - wie die Bildfläche aufgeteilt und gestaltet ist. Dieses macht den besonderen, doppelten Reiz des Bildes aus, das zudem noch eine wunderbar harmonisch abgestimmte, stimmungsvolle Farbenkomposition ist. Laut der Expertise von Prof. Dr. Helmut Friedel, Direktor der Städtischen Galerie im Lenbachhaus München, findet sich im Arbeitsheft der Künstlerin eine entsprechende Merkskizze dieses Gemäldes mit dem hier angegebenen Bildtitel.