Walter Bertelsmann: "Auf der Unterweser", 0000

Walter Bertelsmann

"Auf der Unterweser", um 1928/1929

Öl auf Hartfaserplatte, 63,5 x 100 cm
N 8885
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vorn signiert
  
Walter Bertelsmann, geboren 1877 in Bremen und gestorben 1963 in Worpswede, zählt zur zweiten Generation der Worpsweder Maler. Nach einer Tätigkeit als Prokurist in der väterlichen Tabakfirma folgte er seinen künstlerischen Ambitionen, wurde von 1902 bis 1904 Schüler von Hans am Ende und wirkte danach zeitlebens als Landschaftsmaler in der Worpsweder Künstlerkolonie. Neben Sujets wie Wiesen, Feldern und Mooren entdeckte Bertelsmann vor allem die Naturregionen der Oberelbe und Weser als bevorzugtes Terrain für seine Malerei. Innerhalb der Worpsweder Künstlerschaft gilt er daher als der "Wassermaler". Im vorliegenden Gemälde zeigt er uns den Blick über die weite und offene Wasserlandschaft der Unterweser. Wie so häufig fing Bertelsmann sein Motiv in einem großzügig angelegten Querformat ein, das mit panoramaartiger Perspektive die tiefenräumliche Erstreckung der Naturkulisse betont. Der nieder gesetzte Horizont lenkt das Auge auf die Himmelsfläche, die den größten Teil des Bildganzen überwölbt. Sparsam eingestreute Details wie die beiden Segelboote steigern die Großartigkeit und Weiträumigkeit der beobachteten Situation ins Monumentale, bleiben für den Maler aber nur formale Randerscheinungen - sein Hauptthema ist das spannungsreiche Zusammenwirken von Wasser und Wolken. Jenem flüchtigen, rasch veränderlichen und unaufhörlich neue Formen und Lichtstimmungen hervorbringenden Element gilt seine ganze gestalterische Aufmerksamkeit. Aus vielen Naturstudien vor Ort entwickelte Bertelsmann im Atelier seine großformatigen, eindrucksvollen Kompositionen. Mit lockerem, impressionistisch geschultem Pinselstrich vermag er das irisierende Licht der Abendwolken auf die schimmernde Wasseroberfläche zu übertragen. Himmelsformationen und Flusslauf verschwimmen in dunstiger Atmosphäre zu einer harmonischen Einheit. Mit seiner kraftvollen und doch subtilen Malerei gelingt es Bertelsmann, die Sicht auf die Unterweser zu einem Sinnbild zeitloser Schönheit der Natur zu verdichten.
(Andreas Gabelmann)
 
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