Karl Otto Götz: "Ilph VI", 2001

Karl Otto Götz

"Ilph VI", 2001

gouache on paper, 34,7 x 27 cm
N 8890
no longer available

  
signiert
aufgenommen in das in Vorbereitung befindliche Werkverzeichnis
  
Karl Otto Götz, der ab 1952 mit seiner Rakeltechnik die informelle Malerei prägte, gehört auch zu einem der wichtigsten surrealistischen Lyriker Deutschlands. Stets ist das Schreiben eine wichtige Bereicherung und Ergänzung seiner Hauptberufung. Ein Beispiel:
  
Über sich selbst
 
Am Kreuzweg blitzartiger
Impulse
sprießt eine Invasion
von schwarzen
Wünschelruten.
  
Der ideale Jähzorn
in der Malerei
durchschießt Pupille
und Idol.
 
Ein waagerechtes Zwitschern
Zweistimmig verknüpft
Wackelt unhörbar und schwärzlich
In aufgerissnen Lüften.
  
Ein ausgestopfter Vielfraß
Tut ja nichts.
Wehe wenn er nächtlich
Lautlos
Vom Schwanz bis an den Hals
Sich vorpirscht:
Ein Biß knirscht sich
Ins warme Fleisch
Der Elchkuh.
Ihr blankgeputzter Kopf
  
Hängt später in der Gabel
Einer Eberesche.
  
Vulkane haben keine Vorhaut.
Zyklone melden sich im Zwielicht.
Der Yeti hats nicht eilig.
Laßt mich in Ruhe malen.
Vorsicht, es ist noch naß.
  
Die unter der Bedingung schnellster Zeit entstandenen Bilder von Götz stellen ein Synthese dar. Keine Partie im Bild steht isoliert, alles ist miteinander verwoben, das Bild existiert stets als Ganzes, als Einheit. Der Künstler braucht Monate, bisweilen Jahre, um durch Gedanken- und Malexperimente, auch Skizzen, zu einem neuen Bildschema zu kommen. Diese Bilder sind keine psychologischen Niederschriften oder gar Psychogramme, sondern stellen vielmehr visuelle Gedanken dar.
(Andrea Fink-Belgin)
   
print recommend this page Home
© Galerie Neher 2012