Otto Piene: "Black and Red", 2008

Otto Piene

"Black and Red", 2008/2009

Acryl und Ruß auf Leinwand auf Malkarton, 30 x 24 cm
(gerahmt 30 x 23 cm)

N 8880
nicht mehr im Angebot

  
rückseitig signiert, datiert, betitelt
  
In der allgemeinen Umbruchsituation der späten 1950er und frühen 1960er Jahre entwickelten sich eine Vielzahl neuer künstlerischer Tendenzen. ”ZERO” war der Titel der von Heinz Mack und Otto Piene 1958 und 1961 herausgegebene Magazine 1-3 und wurde zum Namen einer Bewegung, die die Atmosphäre des Neubeginns mit dem eines Raketenstarts verglich: ”Wir verstanden von Anfang an Zero als Namen für eine Zone des Schweigens und neuer Möglichkeiten, nicht als Ausdruck des Nihilismus oder Dada-ähnlichen Gag. Wir dachten an das Count-down vor dem Raketenstart - Zero ist die unmessbare Zone, in der ein alter Zustand in einen unbekannten neuen übergeht.”  Eine feste und bestimmte Zahl an Mitgliedern, ein verbindliches Programm oder gar ein Manifest existierte für ZERO nie, obgleich gerade von Otto Piene zahlreiche theoretisch orientierte Veröffentlichungen vorliegen.
Ausgehend von künstlerischen Untersuchungen zum Thema Licht (”Archaisches Lichtballett”, 1959, ”Lichtraum”, documenta III, 1963 mit Heinz Mack und Günter Uecker) wurde seit Ende der 1950er Jahre der bildnerische Umgang mit Feuer, der elementaren Licht- und Lebensquelle, für Pienes Werk maßgeblich. Das Element Feuer ist tief in der westeuropäischen Kulturgeschichte verwurzelt. Gaston Bachelard charakterisiert das Feuer denn auch als ein zutiefst mit der menschlichen Zivilisation verbundenes Element: ”Das Feuer ist überlebendig. Das Feuer ist zutiefst innerlich, und es ist universal. Es lebt in unseren Herzen. Es leuchtet am Himmel. Es steigt aus der Tiefe der Substanz und triumphiert wie der Gott Amor. Es steigt wieder in die Materie herab. Und verbirgt sich, ist untergründig und gezügelt wie der Haß und die Rachsucht. Unter allen Phänomenen ist das Feuer das wahrhaft einzige, dem sich mit der gleichen Bestimmtheit die beiden entgegen gesetzten Werte zusprechen lassen: das Gute und das Böse.”   Durch verschiedene Experimente und einen immer sensibleren Umgang gelang es Piene, ein einzigartiges künstlerisches Vokabular und eine vollkommen neue Symbolsprache zu entwickeln.
(Andrea Fink-Belgin)
     
Otto Piene; Die Entstehung der Gruppe Zero, ZERO-Nachdruck, 1973, S. XX. Hier zitiert nach: Anette Kuhn, Zero im Kontext der europäischen Avantgarde, in: Zero - eine Europäische Avantgarde, Galerie Neher, Essen 15.5. - 20.7.1992, Galerie Heseler, München 11.9.-17.10.1992, Mittelrhein-Museum Koblenz 26.11.1992 - 10.1.1993, S. 10 - 23, hier: S. 10.
Gaston Bachelard; Psychoanalyse des Feuers, Frankfurt am Main, 1990, S. 13, hier zitiert nach: Udo Kultermann; Feuer im Werk von Otto Piene - Das Elementare und die neue Sensibilität, in: Otto Piene - Retrospektive 1952-1996, Kunstmuseum Düsseldorf, 25.5.-11.8.1996, Köln 1996, S. 25-30, hier S. 25.
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