Emil Nolde: "Sonnenblumen mit Pfingstrosen", 1930

Emil Nolde

"Sonnenblumen mit Pfingstrosen", um 1930

Aquarell auf Japanpapier, 35,9 x 47,8 cm
(gerahmt 70 x 80 cm)

N 9139
Preis anfragen

  
signiert
Fotoexpertise Nolde Stiftung Seebüll
  
- mit Modellrahmen -
  
Blumen- und Gartenbilder bilden einen wesentlichen Bestandteil im Schaffen von Emil Nolde. Seine Faszination für dieses Motiv, das sein Werk zeitlebens prägte, schilderte der Maler mit den Worten: „Die Farben der Blumen zogen mich unwiderstehlich an, und fast plötzlich war ich beim Malen. (…) Die blühenden Farben der Blumen und die Reinheit dieser Farben, ich liebte sie. Ich liebte die Blumen in ihrem Schicksal: emporschießend, blühend, leuchtend, glühend, beglückend, sich neigend, verwelkend.” Aus dem unmittelbaren, einfühlenden Erleben der ursprünglichen Natur heraus und inspiriert von den üppig wuchernden Blumengärten, die seit etwa 1905 die Umgebung seines Hauses auf der Ostseeinsel Alsen und später in Seebüll kennzeichneten, begann Nolde sich in zahlreichen Gemälden und Aquarellen intensiv mit der Farbigkeit, der physischen Präsenz, Ausdruckskraft und emotionalen Ausstrahlung jenes Sujets auseinander zu setzen. Dabei interessierten ihn weniger sorgsam arrangierte Sträuße in Vasen, sondern vor allem das freie Wachstum der Pflanzen in ihrer natürlichen Umgebung als Teil einer lebendigen Urnatur.
Im Aquarell erkannte Emil Nolde das ideale Medium zur Umsetzung seiner künstlerischen Intentionen. Im ungehemmten Fluss der Farben auf dem saugkräftigen Japanpapier erkundete er die Möglichkeiten unkonventioneller Bildgestaltung. Die zu maximaler Leuchtkraft gesteigerte Farbe gewinnt an expressivem Eigenwert, der Verzicht auf akkurate Formgebung oder exakte Details beschwört die Macht des reinen Kolorits durch den virtuosen Einsatz der Nass-in-Nass-Technik, bei der die Farben mit dem Pinsel auf das zuvor angefeuchtete Papier aufgetragen -werden: unscharfe Konturen, diffuse Überlagerungen, transparente Verläufe, Schlieren und Wasserränder sowie aufgelockerte Durchdringungen von Farbe und Fläche, Bildgegenstand und Umraum bestimmen Aussage und Wirkung der Blumenaquarelle. Formatfüllend und nahsichtig in Szene gesetzt, gewinnt das schmuckvolle Motiv im engen Bildausschnitt an Wuchtigkeit und Monu-mentalität. Häufig schimmert das Blattweiß von hinten durch die Farbbezirke hindurch und intensiviert ganz wesentlich die enorme Strahlkraft der Farben. In charakteristischer Manier für seine farb- und lichthaltige Malerei nutzte Nolde die besonderen Eigenschaften des Aquarells. Mit raschem, aus der unmittelbaren Beobachtung gewonnenem Pinselduktus ist das Eigenleben der Farben energisch betont, Verdichtungen und Auflösungen von Formen und Flächen verleihen der Darstellung eine authentische Frische und expressive Leichtigkeit. Mit dem vorliegenden, ebenso expressiv wie delikat gestalteten Blumenstück erweist sich Nolde als ein Hauptmeister der Aquarellkunst des 20. Jahrhunderts.
(Andreas Gabelmann)
drucken Diese Seite per Email versenden Zur Startseite
© Galerie Neher 2017