Ernst Wilhelm Nay: "Ohne Titel", 1963

Ernst Wilhelm Nay

"Ohne Titel", 1963

Aquarell auf Papier, 41,8 x 59,5 cm
(gerahmt 68 x 86 cm)

N 9182
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signiert, datiert
aufgenommen unter der vorläufigen Werknummer „F6422” in das WVZ „Aquarelle, Gouachen, Zeichnungen” der E. W. Nay Stiftung
  
- mit Modellrahmen -
  
Dieses blautonige Blatt öffnet sich dem Betrachter. Trotz der eher dunklen Farbigkeit – Nay arbeitet mit Schwarz, um Zwischenflächen zu akzentuieren – ist dem hier gezeigten Aquarell fraglos Leichtigkeit im Ausdruck eigen. Indem hier verschiedene runde Formen immer wieder über- und nebeneinander gesetzt wurden, erzeugt die Transparenz des Aquarells einen immensen Tiefensog. Trotz der Schwarztonigkeit erscheint das Blau strahlend und den wenigen weiteren minimalen farbigen Akzenten kommt eine große Heiterkeit im Ausdruck zu.
Dieses Werk ist deutlich eines des Übergangs. Nay verlässt hier die tänzerische Rhythmik der Scheibenbilder, obgleich die Form der Scheibe noch eine tragende Rolle in der Bildkomposition spielt. Doch das lockere, leichte Sichaneinanderschmiegen einzelner Farbformen tritt hier zugunsten wieder klar umrandeter, exakter Kreise in den Hintergrund. Auch werden hier bereits die magischen Augenzeichen ersichtlich, die dem Werk einen kultischen Charakter verleihen. Bildraum und Bildfläche sind eindeutig geschieden.
In einer Notiz vom 10.7.1963 äußerte sich Nay über die von ihm als sogenannte absolute Malerei bezeichnete Kunst als „eine Erfindung unseres Jahrhunderts – eine Erfindung zur Selbstverwirklichung des Menschen, eine Erfindung so stark und einflußreich wie die Atom-zer-trüm-me-rung, wie die Elektronik und die mit ihr folgende Kybernetik, wie die Vorstellung vom Universum […] sie kann das Glück haben, umfassend zu deuten.” Nays Ansatz verdeutlicht hier, dass seine Malerei weder die Darstellung einer relativen Befindlichkeit noch die eines linear erfassbaren Momentes ist. Vielmehr umfängt die Wahrnehmung des Künstlers ganz unterschiedliche Ebenen der Welt. Seine Malerei hat zum Ziel, tiefere Strukturen des Seins begreiflich zu machen. Werner Haftmann formulierte dieses Kunstwollen Nays 1966 folgendermaßen: „Es ist die Fülle aufgestauter artistischer Folgerungen, die sich unter dem Druck geistiger Erregung, lebendiger Erfahrungen, visueller Erlebnisse, Spekulationen philosophischer oder wissenschaftlicher Natur schließlich verdichten, daß sich aus ihnen im Schub schöpferischer Stunde ein Bild reiner Anschauung entwirft.”

E. W. Nay – Bilder und Dokumente, München 1980, S. 192, in: Über die neuen Bilder von E. W. Nay, E. W. Nay, Ausstellungskatalog Württembergischer Kunstverein, Stuttgart, Akademie der Künste, Berlin und Städtische Kunsthalle, Mannheim, 1966/1967, S. 7–14, hier: S. 11.

(Andrea Fink-Belgin)




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