Werk: Otto Ritschl: "Verschlungene Formen", 1949
Preis: 14.000,00 EUR
signiert, datiert, betitelt
Werkverzeichnis K. Leonhard, Nr. 49/22
Vor
eine durch geometrische Formen strukturierte Fläche setzt Otto Ritschl eine
weit ausladende, durchgezogen schwarze Linie. Diese beschreibt nichts
Gegenständliches, vielmehr drückt sie Wesenhaftes aus. Da Ritschls Kunst immer
geprägt war vom Erforschen der geistigen Welten, drängte es ihn früh innerhalb
seines Schaffens zur abstrakten und vom Gegenstand befreiten Malerei. Nachdem
er sich zu Beginn seines malerischen Schaffens an der Kunst von Oskar Kokoschka
sowie der Neuen Sachlichkeit orientiert hatte, sammelte der Autodidakt im Paris
der 1920er Jahre im Kontakt mit Pablo Picasso und Max Ernst entscheidende
Anregungen für seinen eigenen künstlerischen Werdegang. Im
Jahr 1925 zerstörte Ritschl alle seine bis dahin entstandenen Werke und setzte
sich in der Folge intensiv mit dem Surrealismus sowie mit der kubistischen
Malerei insbesondere der von Georges Braque auseinander.
In dem Werk "Verschlungene Formen" aus dem Jahr 1949 ist die
Rückbesinnung auf diese Inspirationsquellen aus der Vorkriegszeit deutlich
erkennbar. Ritschl selbst äußerte sich so zu seinen Werken: "Meine
Arbeiten der vierziger Jahre zeigen häufig Formen, die den Gestus der
natürlichen Form anklingen lassen. Dies bedeutet nicht ein Zurück zur Natur,
weil das abstrakte Bild erledigt sei. Das abstrakte Bild ist die einzige
wirkliche originale Leistung abendländischer Kultur. In meinen Bildern zeigen
sich jene Anklänge, weil ich dem Bild den besonderen Inhalt, die Aussage
bewahren will. Anders droht die dekorative Leere ..." Starke Inspirationen erhielt Ritschl denn auch durch den Synthetischen Kubismus eines
Pablo Picasso, der als Weiterentwicklung des sogenannten Analytischen Kubismus
gilt. Stand beim Analytischen Kubismus noch die Zerlegung eines Gegenstandes
oder einer Figur zugunsten einer Mehransichtigkeit im Vordergrund des
künstlerischen Interesses, so fügte der Synthetische Kubismus Objekte aus
geometrischen Einzelformen wieder zusammen. In dem Werk "Verschlungene Form" beschäftigt
sich Ritschl auch mit der Problematik des Bildraumes. Dadurch, dass die
bildprägende Linie an einigen Bereichen die Umrandung für eine flächige
Binnenstruktur bildet, häufig genug die Farbflächen aber auch überschneidet,
wird der zunächst räumliche erscheinende Charakter des Bildes aufgehoben. Der
Bildraum kippt in die Fläche.
(Andrea Fink-Belgin)