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Werk: Ernst Ludwig Kirchner: "Kniender Akt", 1926

Ernst Ludwig Kirchner: "Kniender Akt", 1926 Preis: 35.000,00 EUR
  
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Nachdem Ernst Ludwig Kirchner 1917 von Berlin nach Davos übergesiedelt war, entwickelte sich in den 20er Jahren eine neue Lebens- und Schaffensphase, die mehrere Stilwandlungen durchlief. Der nervösen Expressivität der ersten Jahre in den Bergen folgte ab 1923 eine zunehmende Beruhigung und flächenbetonte Vereinfachung der Bildsprache. Zum Jahreswechsel 1925/26 unternahm Kirchner eine Reise nach Deutschland, die ihn unter anderem an seine einstigen Wirkungsorte Dresden und Berlin führte. Im Juni 1926 begab sich der Maler nochmals für einen kurzen Aufenthalt nach Dresden. Sicherlich auch durch diese räumliche und emotionale Wiederbegegnung mit früheren Wirkungsstätten ist in Kirchners künstlerischem Schaffen zu jener Zeit eine gewisse Rückbesinnung auf den expressiven Stil der Berliner Jahre zu beobachten. Dies manifestiert sich vorrangig im Medium der Zeichnung, wo Kirchner an das einst Errungene anzuknüpfen versuchte.
Demgemäß spricht aus Darstellungen wie "Kniender Akt" von 1926 eine herbe Expressivität, die an den strengen, kantig stilisierten Figurentypus der späten "Brücke"-Zeit denken lässt. Formatfüllend und in leichter Aufsicht begegnet dem Betrachter eine nackte weibliche Gestalt mit zur Seite geneigtem Kopf. Nähere Angaben zum Umraum bleiben ausgeblendet; die Konzentration gilt einzig dem Körper der Frau, der in dynamischer Bewegung erfasst scheint. Wie schon in Berlin ist auch in Davos Kirchners Lebensgefährtin Erna Schilling das bevorzugte Modell - so auch sehr wahrscheinlich in der vorliegenden Kohlezeichnung, das in Kirchners Haus "Auf dem Wildboden" bei Frauenkirch entstanden sein dürfte. Auch wenn der Künstler formal an frühere Stilistik anschließt, so kennzeichnen doch die kräftigen, gerundeten Umrisslinien, welche die Figur dezidiert umschließen sowie der klar geordnete, reduzierte Aufbau der Komposition deutlich den neuen Stil der mittleren Schweizer Schaffensjahre.
(Andreas Gabelmann)
 


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