Werk: Fritz Winter: "Mit Rot", 1969
Preis: 60.000,00 EUR
signiert, datiert
Werkverzeichnis Gabriele Lohberg Nr. 2679 mit Abbildung
Die abstrakte Bildwelt hat sich Fritz Winter, einer der wichtigsten deutschen Maler nach 1945, bereits früh erobert. In jeder Phase seines über 50-jährigen
Schaffens entstanden Werke, die von einer tiefen inneren Kraft künden. In
seinen Werken finden sich Energien, die gleichsam auf ein äußeres Zeichen zu
warten scheinen, um loszubrechen. Bei all dieser inhärenten Energie und
Dynamik, welche die Werke prägen, ist stets auch eine zarte Struktur zu erahnen
- fast möchte man sagen - ein leises
Summen, ein Flüsterton, der uns an ein höheres Sein gemahnt. Häufig finden sich
in den Werken Formationen, die gleichsam
auf Archetypen, auf grundsätzliche Manifestationen seelischen Lebens verweisen.
Die Bilder Fritz Winters erweisen sich als anhaltend aktuell und gegenwärtig.
"Wir arbeiten an Dingen und Bildern, deren Anfänge Jahrtausende vor uns
liegen", hatte Fritz Winter einst in seine Tagebücher notiert: "Durch
unser gegenwärtiges Tun arbeiten wir für die Zukunft und verbinden uns
Jahrtausende nach uns mit den Anfängen, dem Gesetz der nächst höheren Ordnung
dienend und gehorchend." Der in
Altenbögge bei Unna (Westfalen) als erster von acht Kindern geborene Bergmannssohn besuchte das Realgymnasium in Ahlen und arbeitete im Bergbau
Untertage, mit 19 Jahren wandte er sich der Kunst zu. Er war begeistert von der Malerei einer Paula Modersohn-Becker, die Kunst van Goghs lernt er auf einer Reise in Niederlande kennen. Nach der Aufnahme an das Staatliche Bauhaus in
Dessau, wo er von 1927 bis 1930 u.a. bei Josef Albers, Wassily Kandinsky, Oskar
Schlemmer und Paul Klee studierte, eroberte sich Winter die abstrakte
Bilderwelt schnell und direkt. Bereits 1931 entstanden organisch wirkende
Farbflächen, die - Stillleben ähnlich - ins Bild positioniert sind. Nach dem
Mal- und Ausstellungsverbot, welches ihm durch das Nationalsozialistische
Regime auferlegt worden war, konnte Winter nach dem 2. Weltkrieg an sein
Schaffen aus den 1930er und 1940er Jahren anknüpfen. In den Jahren zwischen
1951 und 1961 entstanden Werke mit eher gestischem Charakter im Vordergrund, in
denen die Farbe ausschließlich als Gestaltungsträger eingesetzt wurde. Die
lichten, festlichen Farbhymnen faszinieren bis heute. Farbe wird hier nicht
symbolhaft oder metaphysisch verstanden, sondern sinnlich und direkt, radikal
in ihrem Eigenwert. 1967 löste sich Winter von den bis dahin sein Werk
prägenden konturlosen Farbreihen. Klare Formbegrenzungen werden bildprägend.
Die längsrechteckige Streifen und unregelmäßige Farbformen, die deutlich von
einander getrennt sind, wurden mittels Schablonen auf die Leinwand geordnet. Figur und Grund sind ohne Zwischenräume klar voneinander getrennt. Diese Makroformen bestimmen auch das
Werk "Mit Rot" aus dem Jahr 1969. Dieses Werk beeindruckt durch innere Monumentalität.
(Fritz Winter; Aus Briefen und Tagbüchern 1932 - 1950,
Bern 1951, S. 16, hier zitiert nach: Lothar Romain; Über Fritz Winter, in:
Fritz Winter - Zum 80. Geburtstag, Städtisches Gustav-Lübke-Museum, Hamm, 22.9
- 27.10.1985, Fritz-Winter-Haus, Ahlen, 21.9. - 15.12.1985, Heimatmuseum Ahlen,
21.9. - 27.10.1985, Hamm 1985, S. 79 - 97, hier: S. 85.)
(Andrea Fink-Belgin)