Werk: Otto Modersohn: "Worpsweder Landschaft mit Badenden", um 1911
Preis: 55.000,00 EUR
Expertise Otto Modersohn Museum, Fischerhude
Natur
und Landschaft des deutschen Nordens galten Otto Modersohn als Inbegriffe von
Ursprünglichkeit. Das schöpferische Tun und einfache Leben in und mit der
herben Natur um die Bauerndörfer Worpswede und Fischerhude bestimmten seine
Weltsicht und sein gestalterisches Empfinden. Im vorliegenden Gemälde zeigt
Modersohn mit rascher, fast flüchtiger Pinselschrift die idyllische Szene von
drei badenden weiblichen Akten an einem kleinen Teich inmitten der unberührten
Landschaft. Im Verlauf der 1910er Jahre löste sich der Künstler mit subjektivem
Ausdruckswollen zunehmend von der rein naturalistischen Nachbildung der äußeren
Wirklichkeit und gelangte vor allem durch den Einsatz leuchtender Farbkontraste
und grober Pinselstriche zu einer insgesamt lebhafteren wie auch moderneren
Bildauffassung, die den spezifischen Eigenwert der Ausdrucksmittel bewusst in
Aussage und Wirkung des Werkes mit einbezog. Neben aller farblichen Intensität und formalen
Vereinfachung spürt man in dem Bild eine symbolhafte Bedeutsamkeit, erscheint
der badende Mensch in seiner natürlichen Nacktheit inhaltlich und
kompositorisch als Teil der Natur. Mit dem Motiv der Badenden griff Modersohn
ein traditionsreiches Thema auf. Erscheinen die drei Frauen, deren eigentümlich
helle Körper am und im Wasser bedeutungsvoll aufleuchten, auch wie zufällig
beobachtet, so ist ihr unbeschwertes Badevergnügen in der freien Landschaft
doch zugleich sinnbildhafter Ausdruck für den elementaren Einklang von Mensch
und Natur und damit ins Allgemeingültige und Zeitlose gesteigert. Beschworen
wird die sehnsuchtsvolle Idealvorstellung einer intakten, den Ursprüngen des
Daseins nahen Einheit von Mensch und Landschaft, verbunden mit der Idee einer
neuen Synthese von Leben und Kunst. Damit artikuliert das Gemälde durchaus
exemplarisch den Leitgedanken der Lebensreform-Bewegung um 1900, für welche die
Worpsweder Künstlerkolonie ein wichtiges Zentrum darstellte.
(Andreas Gabelmann)