Werk: Fritz Overbeck: "Frühling (II)", 1902
monogrammiert
Werkverzeichnis Nr. 1902/4 herausgegeben von der Stiftung Fritz und Hermine Overbeck e.V., Bremen
Zusammen mit Fritz Mackensen, Otto Modersohn, Hans am Ende und Heinrich Vogeler gehört
Fritz Overbeck zur ersten Gruppe Worpsweder Künstler. Nach der Bekanntschaft
mit Modersohn und einem ersten Sommeraufenthalt in dem Künstlerdorf 1892
übersiedelte Overbeck 1894 nach Worpswede. In der Folgezeit prägte eine
intensive Auseinandersetzung mit der Landschaft nördlich von Bremen sein
malerisches und druckgrafisches Werk. Meist breitet sich die Naturkulisse unter
hohen Himmeln menschenleer und still vor dem Auge des Betrachters aus und
vermittelt eindrücklich das Gefühl für die spezifische Weite und Offenheit
jener unberührten Landschaftsregion.
Im vorliegenden, großformatig konzipierten Gemälde "Frühling" lässt Overbeck den Blick aus dem verschatteten Vordergrund
auf die sonnenbeschienene Gruppe von vier hochaufragenden Birken gleiten, deren
Baumkronen sich wirkungsvoll gegen den leicht bewölkten Himmel abzeichnen.
Weitere Bäume im Hintergrund lenken das Auge zum Horizont. Dessen Linie liegt unterhalb
der Bildmitte und steigert so die Erscheinung der Baumgruppe, die fast die gesamte Himmelsfläche einnimmt. Teile der Birkenstämme und des blauen Himmels spiegeln sich in kleinen Wassermulden des morastigen Vordergrundes. Das
Erwachen der frühlingshaften Natur kündigt sich im satten Grün der Wiesen und spärlichen Laub der Birken an. Overbecks stimmungsvolle Naturstudie von 1902
gehört in die Reihe seiner frühen Worpsweder Landschaftsbilder, in denen er
vorrangig Einflüsse der französischen Plein-Air-Malerei des späten 19.
Jahrhunderts verarbeitete. Licht, Luft und Atmosphäre prägen den
Ausdrucksgehalt der Bildschöpfung. Eine naturlyrische, sehnsuchtsvolle
Empfindsamkeit, durchdrungen von innerer Einfühlung und der Faszination für die
Großartigkeit der Szenerie, spricht aus der Darstellung. (...)
(aus dem Katalogtext von Andreas Gabelmann)