Werk: Karl Schmidt-Rottluff: "Lampionblumen im Glaskrug", 1950er Jahre
Preis: 85.000,00 EUR
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Prägend
für das Spätwerk des Expressionisten Karl Schmidt-Rottluff ist eine ruhige, in
sich sehr geschlossene Bildauffassung. Der Künstler lebte nach 1945
zurückgezogen in Berlin, die Sommermonate verbrachte das Ehepaar Emy und Karl
Schmidt-Rottluff zwischen 1951 bis 1973 in Sierksdorf an der Lübecker Bucht.
Nachdem einer der herausragenden Künstler des deutschen Expressionismus und
Mitbegründer der Künstlergruppe "Brücke", Karl Schmidt aus Rottluff,
während des nationalsozialistischen Systems wie so zahlreiche seiner Kollegen
extremen Repressalien unterworfen war, wurden er und sein Werk in den 1950er
Jahren durch zahlreiche Ausstellungen rehabilitiert: 1951 fanden in Mannheim,
Freiburg und Stuttgart, 1954 in Kiel und Hamburg, umfangreiche, retrospektive
Ausstellungen statt. 1952 war Schmidt-Rottluff der Kunstpreis der Stadt Berlin
zugesprochen worden. 1956 wurde er Träger des Ordens "Pour Le Mérite"
("Für den Verdienst") und 1958 erhielt er den Großen Kunstpreis des
Landes Nordrhein-Westfalen. 1947 bis 1954 hatte er, von Carl Hofer berufen, an
der Berliner Akademie seine malerische Passion vermitteln können.
Seine
Malerei spiegelt in den Nachkriegsjahren somit verständlicherweise nicht mehr den Aufbruch der Gründerjahre und
unterliegt nicht mehr dem Aufruhr gegen das wilhelminische Deutschland wie in
den Findungsjahren der Künstlergruppe "Brücke". Die Jahre des inneren
Widerstandes hat Schmidt-Rottuff überlebt, nun arbeitete er aus einem reflektierten,
zur Ruhe gekommenen Geist. Dieser setzte sich nun immer stärker mit malerischen
Phänomenen auseinander. Gerade die späten Aquarelle geben beredtes Zeugnis
davon, wie intensiv sich der Künstler mit den Farben und ihren
unterschiedlichen Wirkungen auseinander setzte. In schwarze Konturen gefasst
zeigt Schmidt-Rottluff in dem Aquarell "Lampionblumen mit Glaskrug"
die luzide Wirkung der Grüntöne in der Darstellung der Vase ebenso wie die
spezifische Erdtonigkeit des Glaskruges. Das angeschnittene Fensterkreuz
verleiht der gesamten Komposition eine stabilisierende Struktur, vor dessen
Hintergrund das Blumenarrangement seine Transparenz und Transzendenz vollkommen
entfalten kann.
(Andrea Fink-Belgin)