Werk: Ernst Wilhelm Nay: "Ohne Titel", 1961
Preis: 68.000,00 EUR
signiert, datiert
aufgenommen in das in Vorbereitung befindlich Werkverzeichnis der Ernst Wilhelm Nay Stiftung, Köln
Seit 1954 arbeitete Ernst Wilhelm Nay, zweifellos einer der bedeutendsten deutschen
Künstler des 20. Jahrhunderts, dessen Werk durch zahlreiche Entwicklungsschübe
geprägt ist, an seinen sogenannten "Scheibenbildern". In ihnen
offenbaren runde Farbflächen ein subtiles Schweben in einer imaginierten
Farb-Raum-Modulation. In dieser Schaffensperiode hatte Nay sich schlussendlich
vollständig von einer am Gegenstand orientierten Malweise verabschiedet. Einer
rein abstrakten Gedankenwelt entspringen nun seine Kompositionen; Farben und
Formen sind die alleinigen Gestaltungsmittel. Die dem "Rund"
verschriebene Epoche kann vielleicht als die intensivste innerhalb Nays Œuvres
bezeichnet werden. Die Scheibe, der Kreis wurde zu
Nays ureigener Form, sie sind Zeichen für Ganzheit. In diesem Zeichen können
"Heil und Unheil miteinander toben", sagte Nay einmal. "Auf die
Frage, wie er zur Gestaltform der Scheibe gekommen sei, antwortete Nay, daß für
ihn die natürliche Ausbreitung einer Farbe im Prozeß des Malens der Kreis sei.
Versuche er, den ersten Farbfleck auf der Leinwand zu vergrößern, führe seine
Hand ganz unwillkürlich den Pinsel in kreisrunder Bewegung, so daß eine Scheibe
entstehe. Diese so einfache, aus dem artistischen Handwerk gewonnene Erfahrung
machte er sich zum Prinzip, das ihn zu einer genialen Vereinfachung seiner
Kunst führte."
In
dem hier vorliegenden "Scheibenaquarell" schweben diese lichtdurchwirkten Kreise über das gesamte Blatt und erzeugen eine unnachahmliche
Stimmung von Leichtigkeit. Eine frühlingshaft anmutende Atmosphäre tritt aus dem Blatt heraus.
(Werner Haftmann, E.W. Nay, Köln 1921, S. 216.
Elisabeth
Nay-Scheibler, Scheibenbilder 1954 - 1962, in: Ernst Wilhelm Nay -
Scheibenbilder, Galerie Thomas, 21.5.
- 4.9.2010, München 2010, S. 11)
(Andrea Fink-Belgin)