Werk: Hermann Max Pechstein: "Fischer mit Fang im Netz", 1923
Preis: 10.000,00 EUR
signiert, nummeriert
WVZ-Nr. H287
Herman
Max Pechstein nahm innerhalb der Künstlergruppe "Brücke" eine
Sonderstellung ein: Er war der Einzige der Kunsterneuerer, der eine
handwerkliche wie auch akademische Ausbildung abgeschlossen hatte. Reisen waren
stets wichtiger Movens der künstlerischen Bestrebungen aller Brücke-Künstler
gewesen. Auch nachdem Pechstein 1912 aus dem Gruppenverband ausgeschieden war,
blieben zahlreiche Ortswechsel wichtige Inspirationsquelle des Künstlers für
sein Werk. Wie bereits zu den Zeiten als die Brücke noch gemeinsam an den
Moritzburger Teichen arbeitete, blieb Pechsteins Vorliebe für die unverfälschte Natur. Nachdem
er 1914 die Palau-Inseln im Pazifischen Ozean und 1919 Nidden (heute: Nida,
Litauen) auf der kurischen Nehrung besucht hatte, fand Pechstein zwischen 1921
und 1945 in Leba (heute: Leba, Woiwodschaft Pommern, Polen) eine damals noch
nahezu unberührte Dünenlandschaft. Darstellungen vom Leben der ortansässigen
Fischer prägten Pechsteins druckgrafische Produktion bis 1923. Danach kam das
druckgrafische Œuvre formal wie inhaltlich als abgeschlossen angesehen werden.
Pechstein wandte sich in der Folge wieder verstärkt der Malerei zu. Die
in den 1920er Jahren allgemein im Pechsteins Werk auffallende Reduktion der
Formen und die gleichzeitige Vereinfachung derselben spiegelt sich der
vorliegenden Arbeit auch in dem strengen und klaren Kompositionsaufbau. Die
Trias der Fischer im Vordergrund, geschart um das eingeholte, gefüllte Netz,
positioniert das Hauptmotiv des Blattes unmissverständlich in den Vordergrund.
Dieser wird mit dem Hintergrund mittels einer Diagonale verbunden.
Einfach und klar schneidet Pechstein seine Figuren. Vielleicht war Pechstein
unter den ehemaligen Brücke-Künstlern derjenige, der im Holzschnitt seinen
Ausdruck am radikalsten erfasste und ihn bis an die Grenze zur Abstraktion
führte.
(Andrea Fink-Belgin)