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Werk: Paula Modersohn-Becker: "Birkenstamm vor Heidelandschaft", 1901

Paula Modersohn-Becker: "Birkenstamm vor Heidelandschaft", 1901
  
Werkverzeichnis 247 Busch / Werner
Expertise Otto Modersohn Museum
  
- mit handgearbeitetem Modellrahmen -
  
”Worpswede, Worpswede ... Deine mächtigen, großartigen Kiefern! Meine Männer nenne ich sie, breit, knorrig und groß ... Und Deine Birken, die zarten schlanken Jungfrauen ... mit jener schlappen träumerischen Geste, als ob ihnen das Leben noch nicht aufgegangen sei.” Diese Sätze notierte Paula Modersohn-Becker, geboren 1876 in Dresden, bereits am 24.7.1897 in ihr Tagebuch. Vom Herbst 1898 bis zu ihrem frühen Tod 1907 in Worpswede lebte diese außergewöhnliche Künstlerin in dem 20 Kilometer vor den Toren der Stadt Bremen gelegen Moordorf und schuf ein mehr als 700 Gemälde umfassendes Œuvre.
Die meisten Landschaftsstudien entstanden in den Jahren 1899 bis 1901, wenige sind noch bis in die Jahre 1903 und 1904 zu datieren. Zwar lag Paula Modersohn-Beckers Augenmerk stärker auf dem Figurenbildnis, doch sind auch diese häufig in die typische Worpsweder Landschaft mit Torfmoorkanälen, Birkenwäldern, Sandkuhlen und Blumenwiesen eingebettet.
Das Werk ”Birkenstamm vor Heidelandschaft” spricht durch seinen stark strukturierten Bildaufbau, der nahezu allen Werken Modersohn-Beckers zu eigen ist und in diesem Fall geradezu mustergültigen Charakter besitzt. Unmittelbar zum Betrachter befindet sich der Ausschnitt eines Birkenstammes, dessen weiße vertikal aufgerissene Borke deutlich erkennbar ist. Nach links in den sich weit öffnenden Bildraum knapp unter die Bildmitte erscheint in Form eines weiteren Baumes eine weitere Vertikale als Kompositionselement. Oberhalb der Bildmitte setzt Modersohn-Becker markant die Horizontlinie und erschafft somit neben der extremen Nahsicht auch einen auf wesentliche Linien reduzierten Bildaufbau. Diese strenge Tektonik verweist im Zusammenhang mit der reduzierten Farbigkeit auf Modersohn-Beckers Interesse an der grundsätzlichen Geste. Wenige Details treten in ihren Werken in den Mittelpunkt des künstlerischen Ausdrucks, vielmehr untersucht die Malerin das Erfassen des Archetypischen in Mensch und Natur. Zu diesem Interesse zählt auch die Erkenntnis von der Beseelung der Bäume. Steht der Baum als eines der ältesten Symbole der Menschheit überhaupt in seiner Veränderung durch den Jahreslauf für den ewigen Wechsel von Erwachsen und Vergehen, so können wir in ihm auch stets den ”Baum der Erkenntnis”, den Lebens-, Welten- und den Stammbaum sehen. Paula Modersohn-Beckers Malerei ist geprägt durch ein ”tiefes, stilles Empfinden für das Mysterium des Daseins”, wie es Christa Murken in ihrer 1980 erschienenen Biografie treffend beschreibt. Im Werk von Paula Modersohn-Becker kommt der Baum in seinem zeugenden, fruchttragenden und schützenden Charakter zum Ausdruck. Ferner darf der in der Erde wurzelndeund in den Himmel wachsende Baum als Vermittler zwischen den Elementen der Schöpfung gesehen werden. Oftmals kommen somit die Bäume in den Werken von Paula Modersohn-Becker wegen ihrer Intensität Porträtierten gleich, auch wenn sie als reine Landschaftselemente erfasst sind. Gleichzeitig bleibt ihnen, ähnlich wie den Menschen in Paula Modersohn-Beckers Werk, trotz der Aufmerksamkeit die sie ihnen schenkt, eine unbestimmte geheimnisvolle Stimmung zu eigen.
(Andrea Fink-Belgin)


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