Karl Otto Götz

* 22.02.1914 | Aachen
† 19.08.2017 | Wolfenacker

Karl Otto Götz gilt als einer der wichtigsten Wegbereiter und Repräsentanten des deutschen Informel, sein Werk war von großer Bedeutung für die internationale Kunstentwicklung nach 1945. Aus seiner Klasse als Professor an der Kunstakademie Düsseldorf gingen zudem zahlreiche wichtige Künstlerpersönlichkeiten hervor, darunter Bernhard Blume, Kuno Gonschior, Gotthard Graubner, Sigmar Polke, Gerhard Richter, Rissa, HA Schult, Paul Schwietzke und Franz Erhard Walther.   


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Vita Karl Otto Götz

1914

Geboren am 22. Februar in Aachen.

1926

Freundschaft mit dem späteren Maler und Grafiker Erich Mueller-Kraus, der ihn künstlerisch motiviert.

1930

Götz tritt in die akademische Fliegergruppe der Technischen Hochschule in Aachen ein.

1932

Er verlässt die Fliegergruppe und besucht die Höhere Webeschule in Aachen. Dort lernt er seine spätere Frau Anneliese Brauckmeyer kennen. Gleichzeitig beginnt er ein Studium an der Kunstgewerbeschule, wo er Unterricht im Stillleben- und Aktzeichnen erhält.

1933

Die Kunstgewerbeschule wird geschlossen. Götz nimmt im folgenden Jahr eine Volontärsstelle als Zeichner in einer Dürener Teppichfabrik an.

1935

Erste „Spritzbilder“ entstehen. Götz erhält Mal- und Ausstellungsverbot, nachdem er versehentlich eines seiner experimentellen Bilder bei der Reichskulturkammer eingereicht hat.  

1936

Weitere Experimente mit Spritztechnik sowie mit abstrakten Filmen, Fotomalerei und Fotogrammen. Er nimmt Kontakt zu dem britischen Schriftsteller Herbert Read auf, mit dem er einen angeregten Briefwechsel führt.

Ende des Jahres wird er zu einem zweijährigen Militäreinsatz bei der Luftwaffe in Gütersloh einberufen.

1939–40

Militärdienst in Nordhausen im Harz, wo er junge Rekruten im Fernsprech- und Telegrafenbau ausbildet.

1940

Seine Einheit wird nach Dresden versetzt. Er lernt Otto Dix und den Galeristen Heinrich Kühl kennen, der sein erster Kunsthändler wird.

1941

Neben Öl- und Temperabildern entstehen die ersten „Luftpumpenbilder“.

Götz wird als Jägerleitoffizier nach Norwegen versetzt. Erhält eine Beurlaubung für ein Studiensemester an der Dresdener Kunstakademie. Er freundet sich mit dem Kunstschriftsteller Will Grohmann an und nimmt Kontakt zu Willi Baumeister auf, mit dem er bis zu dessen Tod 1955 befreundet bleibt.

1942

Rückkehr nach Norwegen. In den folgenden Jahren fertigt er Zeichnungen für seine „Fakturenfibel“ an, die er bei der Abreise zurücklassen muss und erst Mitte der 1960er Jahre zurückerhält.   

1945

Seine Wohnung und große Teile des Frühwerks werden bei der Bombardierung Dresdens am 13. und 14. Februar zerstört.

Durch Fürsprache von Herbert Read kann Götz der Kriegsgefangenschaft entgehen. Mit Anneliese Brauckmeyer und ihren Kindern lebt er auf einem Bauernhof in Königsförde bei Hameln, im Dezember heiratet das Paar.

1946

Erste Einzelausstellung im Studio Rasch in Wuppertal. Geburt des Sohnes Alexander Götz.

1947

Er arbeitet an Gouachen, Temperabildern und Monotypien. Durch den englischen Kulturschutzoffizier und Maler Major William Gear erhält Götz Kontakte zu den Künstlern der CoBrA-Gruppe. Er wird Mitglied der Vereinigung.

1948

Erhält den Kunstpreis Junger Westen. Er gibt die Zeitschrift für experimentelle Kunst und Poesie, Metamorphose, später META, heraus. Die Monografie Karl Otto Götz. Malerei und Graphik 1941–43 von Will Grohmann erscheint.

1949

Als einziger Deutscher nimmt er an der ersten großen CoBrA-Ausstellung in Amsterdam teil und wird Redakteur der deutschen Ausgabe der Zeitschrift Cobra 5.

1950

Übersiedlung nach Frankfurt am Main; er pflegt intensive Kontakte mit Künstlern und Schriftstellern aus ganz Europa. Erste Reisen nach Paris folgen, wo er noch im selben Jahr Hans Hartung kennenlernt.

1951

Teilnahme an der zweiten großen CoBrA-Ausstellung in Lüttich. Er trifft Paul Celan und veröffentlicht in META 8 als erster in Deutschland zwei seiner Gedichte.

1952

Er malt sein letztes Ölgemälde und widmet sich fortan einer neuen Maltechnik mit Kleister, Gouache, Pinsel und Rakel.

Gründung der Künstlergruppe Quadriga zusammen mit Otto Greis, Heinz Kreutz und Bernard Schultze; im November erste Ausstellung der Vereinigung in der Zimmergalerie Franck.

1954

Einzelausstellung in der Pariser Galerie Raymond Creuze. Im Oktober erste Einzelausstellung in den USA in der Galerie von Zoe Dusanne in Seattle.

1955

Westfälischer Kritikerpreis. Teilnahme an zahlreichen internationalen Ausstellungen.

1957

Mit ersten größeren Ausstellungen deutschlandweit erhält das Informel offizielle Anerkennung.

1957–60

Zusammenarbeit mit der von Jean Pierre Wilhelm gegründeten Galerie 22 in Düsseldorf.

1958

Teilnahme an der 29. Biennale di Venezia. Erste lithografische Arbeiten entstehen.

Im Herbst Berufung an die Kunstakademie Düsseldorf, wo er im April 1959 die Klasse für Freie Malerei übernimmt und bis 1979 als Professor tätig ist.

Er erwirbt ein kleines Haus in Norwegen, in dem er sich bis 1999 jedes Jahr aufhält. Norwegische Titelgebungen sowie solche aus Kunstworten halten Einzug in sein Werk.

1959

Teilnahme an der II. documenta in Kassel. Beginnt vor dem Hintergrund informationstheoretischer Untersuchungen die Arbeit an „Rasterbildern“.

Übersiedlung nach Düsseldorf. Begegnung mit John Cage und Nam Jun Paik in der Galerie 22

1960

Lernt Karin Martin kennen, die seine Schülerin wird und später als Malerin unter dem Namen Rissa bekannt wird.

1962

Der Rasterfilm „Density 10:3:2:1“ der beiden Künstler Götz und Rissa regt Nam Jun Paik Anfang der 1960er Jahre ebenfalls zu Experimenten mit Fernsehbildern an.

1962–66

Zusammenarbeit mit dem Steindrucker H.P. Alvermann in Düsseldorf.

1964

Große Einzelausstellung im Palais des Beaux-Arts in Brüssel.

1965

Trennung von seiner ersten Frau und Heirat mit Rissa.

1967

Einzelausstellung im Suermondt-Museum in Aachen.

1968

Teilnahme an der 34. Biennale di Venezia.

1969

Einzelausstellung in der Kunsthalle Mannheim.

1972

Karl Otto und Karin Götz veröffentlichen das Buch Probleme der Bildästhetik. Eine Einführung in die Grundlagen des anschaulichen Denkens.

1974

Austritt aus dem Senat der Düsseldorfer Akademie.

1975

Übersiedlung nach Niederbreitbach/Wolfenacker im Westerwald.

1978/79

Bilder ohne den Einsatz der Rakel entstehen.

1982

Informel-Symposium im Saarlandmuseum Saarbrücken. Neben Götz beteiligen sich auch Gerhard Hoehme, Bernard Schultze, K.R.H. Sonderburg und Fred Thieler.

1984

Die zweibändige Autobiografie Erinnerungen und Werk erscheint.

1984/85

Große Retrospektiven in der Kunsthalle Düsseldorf, dem Saarlandmuseum Saarbrücken und der Galerie der Stadt Esslingen.

1986

Bilder der „Giverny“-Serie entstehen, bei denen der Künstler auf Schwarz verzichtet und reine Farben verwendet.

1988

Retrospektive im Kunstverein Braunschweig.

1989

Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen.

1994

Aus Anlass des 80. Geburtstags Retrospektive in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.

1995

Entwurf und Ausführung von Glasfenstern für die Städtischen Kunstsammlungen Chemnitz. Erste keramische Arbeiten entstehen.

1996

Staatspreis für Malerei des Landes Rheinland-Pfalz.

1997

Die K.O. Götz und Rissa-Stiftung wird gegründet.

2000

Erhält den Ehrenring der Stadt Aachen. Erste Stahlreliefs entstehen.

2003

Die Serie der „Holzvögel“ beginnt.

2004

Große Ausstellungen anlässlich des 90. Geburtstags unter anderem im MKM Museum Küppersmühle in Duisburg, dem Suermondt-Ludwig Museum und Ludwig Forum Aachen und dem Saarlandmuseum Saarbrücken.

2005

Die letzten Lithografien entstehen

2007

Die Villa Hammerschmidt in Bonn wird mit Bildern von Götz und Bernard Schultze ausgestattet. Er erhält das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse.

2009

Rissa und K.O. Götz erhalten den Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz.

2010

Retrospektive im Museum Bahnhof Rolandseck in Remagen. Verleihung der Ehrendoktorwürde der Kunstakademie Münster.

2013/14

Große Einzelausstellung in der Nationalgalerie, Berlin, dem MKM Museum Küppersmühle, Duisburg, und dem Museum Wiesbaden.

2014

Das Werkverzeichnis der Gemälde von Ina Ströher wird veröffentlicht.

2017

Götz stirbt am 19. August in Wolfenacker.

Das Frühwerk

Ein Blick auf das Frühwerk des jungen Götz offenbart eine Auseinandersetzung mit der Formensprache expressionistischer und surrealistischer Vorbilder wie Wassily Kandinsky, Paul Klee, Max Ernst und Juan Gris; aber für eine Weile wirkten auch die Werke von Willi Baumeister inspirierend auf sein Schaffen. Erste abstrakte Arbeiten entstanden schon 1933, um 1935 fertigte Götz mithilfe von übereinandergelegten Schablonen „Spritzbilder“ mit Fantasiefiguren und Vogelgestalten, begleitet von Experimenten mit abstrakten Filmen, Fotogrammen und Fotomalereien. Ab 1941 datieren die „Luftpumpenbilder“, bei denen er Aquarellfarbe durch Zerstäuben mit der Luftpumpe auf der Bildfläche verteilte. 1944/45 arbeitete er in Norwegen an seiner „Fakturenfibel“ und entwickelte darin seinen eigenen abstrakten Formenkodex.  

K.O. Götz in Paris

Ab 1950 hielt sich der Künstler, nicht selten zusammen mit seinem Freund Bernard Schultze, regelmäßig in Paris auf, wo er Werke von Wols, Hans Hartung, Georges Mathieu, Jean Fautrier, aber auch Arbeiten des Amerikaners Willem de Kooning kennenlernte. Ihn selbst interessierte vor allem eine spontane, gestische Malerei. Im September 1952 malte er sein zunächst letztes Ölbild auf Leinwand.

Das Informel

Rein zufällig hatte er zuvor beim Anrühren von Tapetenkleister die Entdeckung gemacht, dass dieses Material, überlagert von mit dem Pinsel aufgetragener Gouachefarbe und blitzschnell bearbeitet mit der Rakel, seinen Wunsch nach einer zügigen, impulsiven Malweise erfüllte. Auf diese Art durchdrangen sich Bildfelder von Vordergrund und Hintergrund positiv und negativ, entstanden dynamische Bildschemata, schwungvolle Farbwirbel und die vollständige Aufhebung gegenständlicher Reminiszenzen. Mit seinen Gemälden und Gouachen – zunächst noch farbig, später vorzugsweise in Schwarz und Weiß – wurde Götz zu einem international anerkannten Vertreter des Informel. 

1958 entstand das Triptychon „UDZ“ (Unter diesem Zeichen) und damit K.O. Götz‘ erste künstlerisch-politische Stellungnahme. Mit der schwarz-roten, christlich anmutenden Kreuzform im Mittelteil und den flankierenden Gemälden „Jupiter“ und „Matador“ (Namen von in der Bundesrepublik stationierten US-Atomraketen) bezog der Maler Stellung gegen den Atomkrieg.  

Von 1960–62 arbeitete er zusammen mit seiner späteren Frau Rissa an dem Rasterfilm „Density 10:3:2:1“, einem der ersten experimentellen abstrakten Filme.

Die Serien „Jonction“ und „Giverny“

1977 entstand mit „Moga“, einer Anspielung auf den RAF-Terror in Mogadischu, eine weitere politisch motivierte Arbeit, gefolgt 1990/91 von der Serie „Jonction“, die von der deutschen Wiedervereinigung inspiriert ist. Mit den Bildern der „Giverny“-Serie drängte in den 1980er Jahren farbgewaltige Malerei ins Œuvre von K.O. Götz. Reine Farben in strahlenden, lichtvollen Tönen dominierten nun seine Gemälde und erinnern an die berühmten Bilder aus dem Œuvre seines Vorgängers Claude Monet. 

Das Spätwerk

Im Spätwerk wandte sich der Maler noch einmal neuen Techniken, Materialien und Experimenten zu. Ab 1995 widmete er sich keramischen Arbeiten, ab 2000 entstanden 40 großformatige Stahlplastiken, ab 2003 die mit informellen Formen bemalten „Holzvögel“. Bemerkenswert sind auch die „Luminografien“ des Jahres 2003, eine Serie von mit der Taschenlampe ausgeführten Lichtzeichnungen. 

Aber auch in der Malerei beschritt der betagte Künstler mit monumentalen Gemälden in Schwarz-Weiß noch einmal neue Wege. Die Rakel maß nun fast einen Meter und wurde mit dynamischen Schwüngen in gigantischen Ausmaßen über die Leinwand gezogen.

Mit großformatigen informellen Historiengemälden griff K.O. Götz in den 2000er Jahren noch einmal politische Themen und Ereignisse des Zeitgeschehens auf: So beispielsweise den Einsturz des World Trade Centers 2001, die Tsunami-Katastrophe von 2004 oder anlässlich ihres 60. Jahrestages 2005 die Bombenangriffe auf Dresden.

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