Otto Modersohn - Moorbrücke, 1941

Öl auf Leinwand

50 x 70 cm / gerahmt 78 x 98 cm
19 x 27 inch / gerahmt 30 x 38 inch

signiert, datiert
Expertise Rainer Noeres vom 20. 04. 2013,
Otto Modersohn Museum, Fischerhude

- mit handgearbeitetem Modellrahmen -

N 9035

Über das Werk

„Und Deine Birken, die zarten, schlanken Jungfrauen, die das Auge erfreuen. Mit jener schlappen, träumerischen Grazie, als ob ihnen das Leben nicht aufgegangen sei. Sie sind so einschmeichelnd, man muß sich ihnen hingeben, man kann nicht widerstehn“, notierte Paula Modersohn-Becker in ihr Tagebuch und beschrieb damit eine Leidenschaft, die nicht nur sie selbst, sondern auch die anderen Worpsweder gepackt hatte. Die Birken der niedersächsischen Landschaft gehören wohl zu den am häufigsten formulierten Motiven der Worpsweder Künstler. Sie finden sich in einer Vielzahl von Gemälden und rhythmisieren die Bildfläche als schlanke, junge Bäumchen, mit vom Wind geneigten Stämmen, im Frühlingsgewand oder in herbstlicher Farbenpracht, einzeln oder in Reihe aufgestellt.
Von großer Bedeutung sind sie auch in Otto Modersohns Gemälde „Moorbrücke“, das 1941 – nur zwei Jahre vor dem Tod des Künstlers – entstand. Knorrig gebogene, von der rauen Witterung geprägte Birken ragen von den Seiten in die Fläche hinein, während im rechten Bildteil ein Moorkanal den Blick auf ein paar einfache Katen im Hintergrund lenkt. Die kleinen, flirrenden Blätter – in groben Tupfen auf die Leinwand gesetzt – entfalten sich zart vor dem Blau des Himmels und fügen sich zu einem Blätterdach, das die gesamte Szene überspannt. Die titelgebende Moorbrücke im Vordergrund wird von zwei Geländern gesäumt, von denen das rechte einen langen Schatten wirft – ein Motiv, dem sich auch Paula Modersohn-Becker widmete. In ihrem Werk finden sich ganz ähnliche landschaftliche Szenen.

 

Text verfasst und bereitgestellt von Dr. Doris Hansmann, Kunsthistorikerin

Studium der Kunstgeschichte, Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft, Anglistik und Romanistik an der Universität zu Köln, 1994 Promotion. Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kunstmuseum Düsseldorf. Lektorin und Projektmanagerin im Wienand Verlag, Köln. Freiberufliche Tätigkeit als Autorin sowie Lektorin und Buchproduzentin für Verlage und Museen im In- und Ausland. Ab 2011 Cheflektorin im Wienand Verlag, seit 2018 Senior Editor bei DCV, Dr. Cantz’sche Verlagsgesellschaft, Berlin. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts.

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Otto Modersohn, Moorbrücke, 1941, 50 x 70 cm / gerahmt 78 x 98 cm, N 9035
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