Otto Modersohn - Frühling im Moor, ca. 1939

Kreide, Kohle, Rötel auf Papier

15 x 22 cm / gerahmt 37 x 42 cm
5 x 8 inch / gerahmt 14 x 16 inch

Expertise Rainer Noeres vom 21.3.2015,
Otto Modersohn Museum, Fischerhude

- mit Modellrahmen -

N 9151

3.800 €

Über das Werk

Kleinformatige, meist auf Briefumschlägen und anderen Gebrauchspapieren gezeichnete Landschaftskompositionen waren das unerschöpfliche Bildreservoir des betagten Künstlers, der seine Gemälde seit dem Verlust der Sehkraft des rechten Auges 1936 nur noch im Atelier aus der Erinnerung oder nach Ölstudien und Kompositionszeichnungen schuf. In diesen Blättern haben sich die Unmittelbarkeit, der rasche Strich und die künstlerische Leidenschaft des Malers ungebrochen erhalten. Beim „Frühling im Moor” beispielsweise meint man den Frühjahrssturm geradezu über das Land peitschen zu hören. Sogar die Häuser scheinen sich wegzuducken und in der Landschaft verstecken zu wollen, und selbst der Betrachter möchte den Kragen hochstellen und die Mütze tief ins Gesicht ziehen, so frisch und situativ hat der Künstler die stürmische Stimmung der flachen Ebene eingefangen – trotz des abstrahierenden Verzichts auf Farbe. Die Wahl von farblosem Grau und Schwarz, das dunkle Rotbraun des Rötelstifts und die Tonigkeit der Papiere sind Charakteristika von Otto Modersohns Zeichnungen der späten Jahre. Ebenso wie die zeichnerisch–stenografische Kurzschrift, welche die Elemente der Landschaft in stilistischer Vereinfachung geradezu chiffrenartig erfasst. Locker hingeworfene, die Gegenstände auflösende Schraffuren und Liniennetze überziehen häufig das gesamte Blatt. Der „Frühling im Moor” gehört zu den sogenannten „Abendblättern”, die der Künstler in seinem Wohnzimmer fertigte, angeregt von den Skizzenbüchern, die er bei seinen täglichen Wanderungen in der Natur immer mit sich führte, um einen Eindruck mit wenigen Strichen rasch zu notieren. Die Ergebnisse dienten nur dem persönlichen Gebrauch, und es war das erklärte Ziel die Künstlers, diese Kompositionsskizzen – welche seine zweite Frau, die Malerin Paula Modersohn–Becker, als sein Bestes tituliert hatte – in Öl umzusetzen. Dieses Vorhaben setze er ab 1933 in die Tat um, doch fanden bei weitem nicht alle Zeichnungen Eingang in das malerische Werk.

Text verfasst und bereitgestellt von Dr. Doris Hansmann, Kunsthistorikerin

Studium der Kunstgeschichte, Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft, Anglistik und Romanistik an der Universität zu Köln, 1994 Promotion. Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kunstmuseum Düsseldorf. Lektorin und Projektmanagerin im Wienand Verlag, Köln. Freiberufliche Tätigkeit als Autorin sowie Lektorin und Buchproduzentin für Verlage und Museen im In- und Ausland. Ab 2011 Cheflektorin im Wienand Verlag, von 2019 bis 2021 Senior Editor bei DCV, Dr. Cantz’sche Verlagsgesellschaft, Berlin. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts.

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Otto Modersohn, Frühling im Moor, ca. 1939, 15 x 22 cm / gerahmt 37 x 42 cm, N 9151
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