Ernst Barlach

"Der Dichter", 1916 / 1981

Bronze

53,8 x 25,3 cm  ″

kein Lebzeitenguss
Mitte rechts signiert "E.Barlach"
unten rechts auf der Plinthe nummeriert "1/12"
Unterseite auf der Plinthe Gießerstempel "H NOACK BERLIN"
Expertise Ernst Barlach Lizenzverwaltung, Ratzeburg
Werkverzeichnis Elisabeth Laur, Ernst Barlach, Das plastische Werk (Band II),
Ernst Barlach Stiftung Güstrow, 2006, WVZ-Nr. 239 mit Abb. S. 145

N 9384


Über das Werk

Das Relief bietet einen ungehinderten Blick auf einen jungen Mann in auffallend aufrechter Haltung, mit "erhobenem Haupt". Er geht spazieren, deklamiert nicht, sondern liest. Seine linke Hand hält einen Stift (wohl für Korrekturen).
Bei längerem Hinsehen wird der Artikel des Titels bedeutsamer: DER Dichter, nicht: irgendeiner. Es gelingt Barlach scheinbar mühelos, eine gültige plastische Form für die Visualisierung dieser uralten Berufung zum Poetentum zu finden. Dazu trägt das in wenigen Falten fallende, zeitlos-schlichte Gewand bei. Barfuß, schmucklos, vor keinem exakt verortbaren Hintergrund ist er unterwegs. Allenfalls die vertikal eingekerbten Linien lassen Vermutungen zu (Plankenzaun).
Barlach gönnt seinem "Dichter" ein wenig Tiefenraum, gerade so viel, dass er, ohne auf die vor ihm liegende Strecke achten zu müssen, froh lesend voranschreiten kann; der nicht steinige Weg ist eben.
Die Begrenzung nach oben ist kein Hindernis, es bleibt genügend Vertikalraum bis zum vorspringenden oberen Reliefabschluss, der trotz des geringen Volumens als beschützend wahrgenommen werden kann. Dieser Vorsprung ist ein Relikt des ursprünglichen Motivs: Barlach gestaltete ab 1915/16 eine Kaminverkleidung aus Holz mit zwei Seitenflügeln (im Krieg verbrannt). Alte Aufnahmen belegen auch dort einen Dichter, der aber in einer Art Kassette vertieft eingeschnitzt erschien (also, was seine Bewegung im Raum anging, von vier Seiten begrenzt wurde). Ohne diese seitlichen Limitierungen entsteht ein weiterer Deutungsaspekt: Barlach selbst äußert über seine Figuren, er habe "nichts dagegen zu sagen, wenn man meint, daß sie sehnsüchtige Mittelstücke zwischen einem unbekannten Woher und Wohin seien". Genau das ist hier zu erkennen: die beglückende Momentaufnahme eines Dichters, der (uns) etwas zu sagen hat und auf dem Weg ist, das zu tun.
Horst Otto Müller


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