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Otto Modersohn

"Tauschnee", ca. 1910

Öl auf Malpappe

45 x 75 cm  ″

unsigniert, rückseitig Echtheitsbestätigung Antje Modersohn
Expertise Rainer Noeres, 9.2. 2020, Otto Modersohn Museum, Fischerhude

N 9402


Über das Werk

Inspiriert von den Bildern Courbets und Van Goghs, greift Otto Modersohn ab 1909 häufiger zum Spachtel. In seinem künstlerischen Bekenntnis von 1910 formuliert er seine Ziele:
"(…) Ausdruck. Um seine Auffassung ganz zeigen zu können, muß man vor allem einen persönlichen reifen Ausdruck besitzen. (…) Nun endlich habe ich ihn in der Spachteltechnik gefunden. Es ist sicher die wichtigste Entdeckung, die ich je machen konnte. Sie ist meine Erlösung und Befreiung. Sie ist mir innerlich verwandt, gehört zu mir, wie die Technik meiner Kompositionen, der sie geradezu ähnelt und es ist für mich räthselhaft, daß ich nicht früher darauf gekommen. Auf diese Weise kann ich endlich mein Ziel erreichen: persönlich groß, einfach und zugleich reich, bewegt zu sein; Einzelheiten durchaus untergeordnet, im Ganzen wie gelöst; der Ton reich, voll, satt, bewegt, die Fläche scheinbar athmend, pulsierend, vibrirend.
(…) Einfache Stoffe, die ich früher mehr mied, weil sie meist leer und reizlos wurden, werde ich mehr bevorzugen, da ich ihnen jetzt reiche Bewegtheit geben kann. Wie der Ton entsteht, ist bei der Spachteltechnik so sehr künstlerisch, dies weiche, eingebettete, das einzelne nur anklingend, ahnend und angedeutet. (…)
Ich muß spielen und träumen, mit Zufälligkeiten arbeiten können, mein Gefühl, meine Phantasie muß zu Worte kommen; bei dieser Technik fällt mir immer etwas ein, wie bei meinen Kompositionen. Dann werde ich möglichst hell, leicht, licht, luftig malen; (…)
Jetzt, mit dem Spachtel, ist und wird meine Malerei immer mehr: frei, keck, kühn, prickelnd, pikant, webend, wogend, vibrirend, reich, locker, buttrig, schlickerig, schillernd, schimmernd, glitzernd, genießend, flimmernd, funkelnd, zitternd, zuckend, rieselnd, perlend, kroß, kraus, knusperig, körnig, kriselig, kleinodienhaft, juwelenhaft, mosaikartig, perlmuttrig, emailleartig, ferner merkwürdig, lecker, köstlich, delikat. muckelig, mystisch, märchenhaft, zaubrisch, träumerisch und geheimnisvoll – mein altes Ziel.
(…) Die größte künstlerische Anregung geben mir: Rembrandt, Constable, Courbet, Monticelli und Liebermann.
"
(aus: Otto Modersohn, Über meine Kunst, Fischerhude am 13. März 1910)
Die Arbeit mit dem Spachtel eröffnet Modersohn neue Möglichkeiten, deren Wirkungsmacht er bis 1912 ausgiebig erprobt. Das Bild “Tauschnee” ist ein schönes, typisches und seltenes Beispiel dieser Jahre, aus der lediglich fünf Winterbilder in Spachteltechnik nachweisbar sind. Das Bild zeigt ein altes Gehöft am Rande von Fischerhude. Schneereste bedecken Reetdächer, Wiesen und Felder nach einem letzten Wintereinbruch, bevor der Frühling naht. Ein Stück Feld am rechten Bildrand ist schon umbrochen und zur Saat vorbereitet. Ausgewogene Kalt-/Warmkontraste bestimmen die Bildtemperatur.
Otto Modersohn war in den nachfolgenden Jahren ein Suchender nach der ihm und seiner Malerei gemäßen Technik. Als er sich nur wenige Jahre später ausschließlich kleinformatigen Tafeln zuwendet, ist der Spachtel zu grob als Mittel und wird von ihm verworfen. In den 1920er-Jahren befindet sich seine Malerei in stetigem Wandel. Sie wird flächiger, mal transparent, dann wieder opak und expressiv. Anfang der 1930er-Jahre bereitet sich dann das unverwechselbare Spätwerk Otto Modersohns vor, mit seinen weichen Konturen, dem fast ineinander verschmelzenden Farbvortrag und dem hoch differenzierten Kolorit.
(Rainer Noeres)


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