Ernst Barlach - Der Verschwender III, 1923

Bronze

59 x 24 cm
23 x 9 inch

unten links an der Seitenkante signiert, nummeriert "E.Barlach 3/12"
Gießerstempel "H. NOACK, Berlin"

N 9440

Über das Werk

Das Relief, dessen Gipsmodell aus dem Jahr 1923 stammt, zeigt einen stehenden Mann, der die Arme über seiner Gürteltasche gekreuzt hat und in beiden Händen Münzen hält. Der Dargestellte ist in ein schlichtes langes Gewand mit kleinem Stehkragen gekleidet, es weist nahezu keinen Faltenwurf auf. Das Motiv geht zurück auf eine bereits im September 1912 entstandene Kohlezeichnung, die Barlach handschriftlich mit dem Titel ”Verlorener Sohn” bezeichnet hat. Damit bezieht sich der Künstler auf das Gleichnis vom verlorenen Sohn aus dem Lukasevangelium (Lk 15, 11-31). Die Bibelstelle beschreibt, wie der jüngere von zwei Brüdern sein ihm ausgezahltes Erbteil verprasst. Anschließend kehrt er als reumütiger Bettler wieder an den Hof seines Vaters zurück und bekennt sich all seiner Sünden schuldig. Ohne ihn zu tadeln, nimmt der Vater ihn wieder in den Kreis der Familie auf und veranstaltet seiner Rückkehr zu Ehren ein großes Fest.
Dieses in der Kunst häufige Thema (u.a. Rembrandt: ”Die Heimkehr des verlorenen Sohnes”, 1666/69; Max Beckmann: ”Der verlorene Sohn”, 1949) veranschaulichte Barlach in drei nahezu identischen Versionen. Im Jahr 1921 entstand das als Rundplastik angelegte Gipsmodell für den ”Verschwender I”. Die zweite Fassung, die Barlach in Auftrag des Sammlers Leo Lewin entwarf, wich nur leicht in Frisur und Kopfhaltung von der ersten ab. Von der dritten, hier gezeigten Fassung existiert noch ein Holzrelief, das sich seit 1955 im Sprengel Museum Hannover befindet.
Auch diese Arbeit bezieht sich auf ein religiöses Thema. In dem Gleichnis wird der Vater mit dem ”Reich Gottes” gleichgesetzt. Im Vordergrund steht die Hinwendung Gottes bzw. Jesu zu dem Verlorengegangenen - der liebende Vater nimmt den Sünder ohne Vorwurf wieder auf.

Text verfasst und bereitgestellt von Dr. Andrea Fink, Kunsthistorikerin

Die Kunsthistorikerin, Kuratorin und freie Publizistin Andrea Fink hat in Bochum und Wien Kunstgeschichte, Kultur- und Geisteswissenschaften, Neuere Geschichte und Philosophie studiert. 2007 folgte die Promotion zum Werk des schottischen Künstlers Ian Hamilton Finlay. Als freie Kuratorin und Kunstberaterin zählen zu ihren Auftraggebern u.a. Kunstverein Ahlen, Kunstverein Soest, Wella Museum, Museum am Ostwall Dortmund, ThyssenKrupp AG, Kulturstiftung Ruhr, Osthaus Museum Hagen, Franz Haniel GmbH, Kunsthalle Krems, Österreich.

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Ernst Barlach, Der Verschwender III, 1923, 59 x 24 cm, N 9440
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