Ernst Wilhelm Nay: "Ohne Titel", 1964

Ernst Wilhelm Nay

"Ohne Titel", 1964

Aquarell und Tusche auf Papier, 59,5 x 50 cm
N 8899
nicht mehr im Angebot

     
rückseitig bestätigt von Elisabeth Nay-Scheibler(Witwe des Künstlers)
aufgenommen in das in Vorbereitung befindliche Werkverzeichnis der Ernst Wilhelm Nay Stiftung, Köln
  

Die "Scheibenbilder" weiterentwickelnd, entstanden in den Jahren 1964/1965 Werke mit einer sogenannten "Augenmotivik". Nay setzte spitze Spindelformen in seine Scheiben ein und evozierte somit nicht nur formal die Anmutung von schauenden Augen. Vielmehr schwingt auch die jahrhundertealte Kulturgeschichte, das Ur-Thema des "Schauens und Angeschaut-Werden" mit. Das Auge als archetypisches Symbol, welches magische Kraft und bannende Abwehr verheißt, den Betrachter mit Blicken konfrontiert, ihn in den Bann zieht und ihn nicht mehr loslässt - all dies gehört neben der rhythmischen Farb-Form-Komposition auch zu der Vielschichtigkeit von Nays sogenannten "Augenbildern". Besonders bekannt sind diese durch die drei monumentalen, nahezu 4 x 4 Meter großen Werke, die Nay 1964 für die documenta III in Kassel schuf und die Arnold Bode, Initiator und Kurator der documenta, schräg von oben an die Decke eines eigens für diese Werke konstruierten, korridorähnlich gestreckten Raumes hängen ließ. Der Künstler musste übrigens von dieser Art der Hängung zunächst überzeugt werden, bevor er ihr zustimmte. Auffällig bei den Werken für die documenta wie auch bei dem hier vorliegenden Aquarell ist der Gegensatz zu den Werken der vorangehenden Schaffensperiode, den Scheibenbildern". Waren jene von einer schwebenden Diffusität und luziden Farbigkeit geprägt, so scheint hier abgeklärtes Kalkül vorzuherrschen - in Farb- wie in Formgebung. Auch dies ist bereits ein Verweis auf die Hinwendung zum Ornament, welches das Werk nach 1964 prägen sollte.
(Andrea Fink-Belgin)
drucken Diese Seite per Email versenden Zur Startseite
© Galerie Neher 2013