Werk: Karl Hofer: "Stehender Mädchenakt vor Rot", 1954
Preis: 158.000,00 EUR
vorn unten rechts monogrammiert, datiert
Werkverzeichnis Wohlert Nr. 2719 mit Abbildung
Das Werk "Stehender Mädchenakt vor Rot" stammt aus dem letzten Schaffensjahr
des im Jahre 1955 nach einem Schlaganfall im Alter von 77 Jahren verstorbenen
deutschen Malers Karl Hofer. Zeit seines Lebens hatte sich Hofer ganz im
Gegensatz zur damals stark protegierten gegenstandslosen Kunst dem figurativen
Stil verschrieben. Dieses Festhalten - gerade auch an dem menschlichen Abbild -
in seiner Malerei vertrat Hofer während der sogenannten "Darmstädter
Gespräche" 1950 ebenso wie in dem öffentlich und polemisch geführten
Streitgespräch zwischen Hofer selbst und dem Kunstkritiker Will Grohmann im
Jahre 1955. Hofer plante zu dieser Zeit gleichsam als programmatisches Manifest
in Anlehnung an Kandinskys "Über das Geistige in der Kunst" (1902, 2.
Aufl. 1952) die Herausgabe der Schrift "Über das Gesetzliche in der
bildenden Kunst". Erst posthum wurde ein Teil der Schrift von Kurt Martin
herausgegeben. Die offensiven Auseinandersetzungen zwischen den Verfechtern der
unterschiedlichen Kunstströmungen nahmen durch Hofers Tod ein jähes Ende.
So wie Hofers Werke stets einer klassischen
Ausgewogenheit und einem strengen und klaren Bildaufbau folgen, so überzeugt
auch der Akt aus dem Jahr 1954 durch seine lyrisch-melancholische Anmutung. Vor
violettem Hintergrund mit einer roten durch wenig grüne Farbelemente farblich
intensivierten Aureole gelingt Hofer eine nahezu klerikal erscheinende
Bildfindung. Dem Akt wird jegliche voyeuristische Komponente genommen, das
Reine, Schöne steht im Vordergrund dieser Komposition. War Hofers Schaffen
zunächst stark von dem Klassizismus eines Arnold Böcklin, Anselm Feuerbach und
auch Hans von Marèes bestimmt, so konzentrieren sich seine Werke im Laufe der
Zeit - stark beeinflusst durch zahlreiche Begegnungen u.a mit dem Werk von Paul
Cèzanne - immer mehr auf das Wesentliche. Nach den Erfahrungen des Nationalsozialistischen
Terrors, die Hofer nicht nur bereits 1933 die Entlassung als Professor an der
Hochschule der Künste in Berlin brachten, sondern auch die Zerstörung seines
Ateliers mit seinem frühen und mittleren Werk bei einem Luftangriff am 1. März 1943,
wendet sich seine Malerei im Spätwerk einem geradezu prachtvollen Primitivismus
von linearer Strenge und intensiver Wirkkraft zu. Das vorliegende Werk
"Stehender Mädchenakt vor Rot" ist ein beredtes Beispiel dieser
späten und besonders konzentrierten Phase seines künstlerischen Schaffens.
(Andrea Fink-Belgin)