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Werk: Günther Uecker: "Verborgen 3", 2007

Günther Uecker: "Verborgen 3", 2007
  
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Günther Uecker, geboren 1930 in Wendorf/Mecklenburg, besuchte zunächst die Kunstschule in Wismar, bevor er an der Berliner Kunsthochschule Weißensee seine Ausbildung fortsetzte. 1953 übersiedelte er in den Westen. Wie viele seiner Zeitgenossen suchte er in seinem Kunstschaffen zu Beginn seiner Karriere einen Gegenpol zur informellen Malerei der späten 1950er Jahre. In diesem Zuge hatte er sich 1961 der Künstlergruppe ZERO angeschlossen. Entstanden aus der Notwendigkeit, dass nach dem 2. Weltkrieg sich auch die deutsche Kunstszene vollkommen neu formieren musste, hatten Heinz Mack und Otto Piene 1957 diese Künstlergruppe ins Leben gerufen. Neben anderen wichtigen künstlerischen Tendenzen setzte auch die Künstlergruppe ZERO nach der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft und 2. Weltkrieg beim Nullpunkt an. Eine Anknüpfung an vormals gelebte Traditionen war aus der Sicht der jungen Künstler nach dem vorangegangenen Terror moralisch und ethisch nicht mehr möglich. Die Künstler proklamierten aber keineswegs eine historische Aufarbeitung, vielmehr arbeiteten sie mit einem großen Maß an Idealismus für eine Ästhetisierung und Sensibilisierung der Gesellschaft. Die unter diesem Ansinnen der Erneuerung -entwickelten Werke führte zu neuartigen Kunstformen, wie Klang- und Lichtperformances und puristischen Reduktionen von Farbe und Form. Einschneidend für Ueckers gesamte künstlerische Laufbahn sollten in diesem Umfeld denn auch die Erfahrungen sein, die er mit einem von Nägeln besetzten Stück Holz machte. Die Muster und Abdrücke des bemalten Holzes, die aus diesen eher zufälligen Abdrücken entstanden, faszinierten ihn und führten zu bewussteren Experimenten. Gegenstände – bis dato allein dem außer-künstlerischen Bereich zugeordnet –, werden zum Markenzeichen von Günther Ueckers intensivem künstlerischen Ausdruck. Der Nagel – für Uecker Abbreviatur (Abkürzung) von Linien und Punkt, von Dynamik und Statik – gewinnt bildprägende Wirkung. Kunst ist für Günther Uecker niemals Selbstzweck, sondern stets Kommentar. Seine aufklärerische Geisteshaltung ist tief in seinem Werk verwurzelt. Die Werke Verborgen 2, 3 und 5 gehören zu einer insgesamt 12-teiligen Werkgruppe, die Günther Uecker 2007 in der Folge seiner (in der Zeit zwischen 1984 und 2007) zahlreichen Besuche in Japan geschaffen hat. Zudem erscheint es auch wichtig zu erwähnen, dass der Künstler sich bereits seit den frühen 1950er Jahren intensiv mit dem japanischen Zen-Buddhismus auseinander gesetzt hat. Somit sollte auch sein künstlerisches Tun nicht vollkommen losgelöst von dieser grundsätzlichen Lebenshaltung gesehen werden. „Nach sechsmaligem Aufenthalt in diesem Land, nach vielmaligen Besuchen von heiligen Stätten, nach tiefem Eintauchen in die Sprache und gestische Ausdrucksweisen der Menschen hier, versuche ich in einem Kalendarium diese über Jahre in mir aufgenommenen Eindrücke bildnerisch zu formulieren.” Die mit dem Stoff verschiedener Kimonos bespannten Holzplatten werden in der Werkgruppe „Verborgen” mit Acryl und Nägeln bearbeitet. Das Bild gibt hier seinen Inhalt nicht leichtfertig preis, vielmehr verdecken teilweise Farbe und Nägel das Muster der Kimonostoffe. Die Nägel werden zwar in dem Bildträger fixiert, in der Folge aber umgebogen und bedecken dadurch denselben, wobei sich zwei bis drei Nägel stets überschneiden und damit an dem jeweiligen Schnittpunkt eine materielle Verdichtung bilden. Uecker nennt diesen Prozess übernageln. „Das Verborgene wird im Bild, in meiner Arbeitsweise - unalphabetischer Ausdruck. Bedecktes, Verhülltes bleibt als Geheimnis bewahrt durch Übernageln.” Das Geheimnis des Bildes bleibt verborgen. Obwohl die serielle Anlage der Werkgruppe zu Vergleichen zwischen den jeweiligen Arbeiten einlädt, bietet jedes Werk durch die unterschiedlichen Stoffe einen bildnerischen Wert an sich. Es ist somit nicht in Worten erklärbar, was sich hinter der Bildoberfläche verbirgt. „Nichts ist aufzublättern, nichts zu erkennen, was sich hinter den Stoffen, den Kleidern, den Kimonoteilen befindet, das Obere bedeckt das Darunterliegende.” Auf der Suche nach dem Inhalt des Werkes ist es zwecklos die Schichten des Bildes zu analysieren, allein das sich Einfühlen in den Gegenstand kann uns zum Verständnis führen. Der große japanische Zen-Meister D. T. Suzuki (1870–1966) führte dazu aus: „Die Methode des Zen besteht darin, in den Gegenstand selbst einzudringen und ihn sozusagen von innen zu sehen.” Bei Günther Uecker bedeckt „das mit Nägeln durchtriebene, festgenagelte Äußere [...] das Verborgene, Versteckte, geschichtete Bildmaterial.”
(Andrea Fink-Belgin)


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