Rupprecht Geiger

* 26.01.1908 | München
† 06.12.2009 | München

Rupprecht Geiger ist ein Magier der Farbe. Der Maler, Bildhauer, Architekt, mehrfache documenta-Teilnehmer und Professor an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf zählt zu den herausragenden Künstlern der deutschen Nachkriegsabstraktion und machte sich international einen Namen als Vertreter der Farbfeldmalerei.


Werke von Rupprecht Geiger

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Rupprecht Geiger
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Vita Rupprecht Geiger

1908

Geboren am 26. Januar als Sohn des Malers und Grafikers Willi Geiger (1878–1971).

1923–25

Übersiedlung der Familie nach Madrid. Reisen nach Granada, Sevilla und Marokko sowie ein dreimonatiger Aufenthalt auf den Kanaren prägen diese Zeit.

1925

Rückkehr nach München.

1926–29

Studium der Architektur an der Königlichen Kunstgewerbeschule München bei Eduard Pfeiffer. Studienreisen nach Frankreich und Italien.

1930–32

Geiger absolviert als Bestandteil seines Studiums eine Maurerlehre in München.

1933–35

Studium der Bautechnik und Statik an der Staatsbauschule München.

1936–40

Tätigkeit als freier Architekt in verschiedenen Münchener Architekturbüros, unter anderem bei Oswald Eduard Bieber.

1937

Heirat mit Monika Bieber, der Tochter von Oswald Bieber, ebenfalls Studentin der Architektur. 1938 und 1940 werden die Söhne Lenz und Florian geboren.

1940–44

Kurz nach der Geburt des zweiten Sohnes Einberufung zum Kriegsdienst an der Ostfront in Polen und Russland. 1943 wird er als Kriegsmaler in der Ukraine und 1944 in Griechenland eingesetzt. Geiger führt Kriegstagebücher mit Bleistiftzeichnungen und Farbskizzen und übt sich autodidaktisch in der Malerei.

1945

Teilnahme an einer der ersten Gruppenausstellung der Nachkriegsjahre im Amtsgericht von Prien am Chiemsee.

1948

Drei surreale Landschaften des Künstlers werden im dritten "Salon des Réalités Nouvelles" in Paris gezeigt.

1948/49

Neben der kühnen Werkgruppe der irregulären Bildformate entstehen erste druckgrafische Editionen.

1949

Mitbegründer der Künstlergruppe ZEN 49.

1949–62

Zusammen mit seiner Frau Monika Geiger als freier Architekt tätig.

1951

Gestaltung der Fassade des Münchener Hauptbahnhofs als erster öffentlicher Auftrag für Kunst am Bau.

1952

Nach ersten Experimenten mit der (Farb-)lithografie entdeckt Geiger die Serigrafie, die eine große Rolle in seinem Werk spielen wird.

1953

Die Moderne Galerie Otto Stangl in München widmet Geiger eine erste Einzelausstellung.

1955

Beginnt mit der Arbeit in Ölfarbe.

1959

Teilnahme an der documenta II.

1963/64

Plakatreihe für die Konzertreihe Musica Viva.

1964

Teilnahme an der documenta III. Das "Werkverzeichnis der Graphik 1948–1964" erscheint.

1965–76

Professur für Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf. Beginn der Arbeit mit Spritzpistole und Acrylfarbe.

1968

Teilnahme an der documenta 4.

1970

Mitglied der Akademie der Künste, Berlin.

1972

Das "Werkverzeichnis Druckgraphik 1948–1972" erscheint.

1977

Teilnahme an der documenta 6.

1978

Erste Retrospektive in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus, München.

1979

Wird zum Ehrenmitglied der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf ernannt.

1983

Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, München.

1985

Retrospektive seines Werks in Berlin, Ludwigshafen und Düsseldorf.

1988

Retrospektive zum 80. Geburtstag in der Staatsgalerie Moderne Kunst im Haus der Kunst, München. Geiger erhält das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland.

1993

Ehrenmitglied der Akademie der Bildenden Künste, München, sowie Ehrenmitglied des Fördervereins Lenbachhaus e. V., München.

1998

Retrospektive zum 90. Geburtstag in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus, München.

1999

Gründung der Rupprecht-Geiger-Gesellschaft, Verein zur Förderung des Werks von Rupprecht Geiger e. V. mit Sitz in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus München.

2002

Teilnahme an der XXV. Bienal de São Paulo.

2003

Anlässlich des 95. Geburtstags erscheint das "Werkverzeichnis 1942–2002. Gemälde und Objekte, Architekturbezogene Kunst".

2007

Das "Werkverzeichnis der Druckgrafik 1948–2007" erscheint.

2008

Zahlreiche Ausstellungen und Retrospektiven anlässlich seines 100. Geburtstags, unter anderem in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus München, der Neuen Nationalgalerie, Berlin, und dem Museum für Gegenwartskunst Siegen.

2009

Stirbt am 6. Dezember in München.

Über Rupprecht Geiger

Jugend und Studium

Erste malerische Zeugnisse lassen sich schon beim jugendlichen Geiger finden, der unter dem Eindruck einiger Reisen in Spanien und Marokko sein Tagebuch mit Bleistiftzeichnungen und Aquarellen füllt. Nach seinem Schulabschluss jedoch entscheidet er sich für ein Studium der Architektur. Als Maler bleibt er Autodidakt.

Kriegseinsatz

1940 wird der Familienvater zum Kriegseinsatz an die Ostfront einberufen. Beeindruckt von der Weite und atmosphärischen Stimmung der russischen Landschaft bestückt er erneut sein Tagebuch mit Zeichnungen und Skizzen, malt kleine Landschaftsaquarelle und erste Gemälde. Bei einer Stationierung in Griechenland entstehen unter dem Einfluss des mediterranen Lichtes zahlreiche Aquarelle und Gouachen.

Nachkriegszeit

Da Geiger seinen Beruf als Architekt erst 1949 mit der einsetzenden Bautätigkeit in Deutschland wieder aufnehmen kann, widmet er sich in den ersten Jahren nach der Rückkehr vom Fronteinsatz ganz der Malerei. Er arbeitet in Eitempera auf Leinwand – einer Technik, die er bis Mitte der 1950er Jahre beibehält – und experimentiert mit unterschiedlichen stilistischen Ansätzen. Eine kraftvolle, leuchtende Farbigkeit zeichnet die Werke dieser Jahre ebenso aus wie eine zunehmende Abkehr von der Gegenständlichkeit. Im Winter 1948/49 entwickelt Geiger mit seinen unregelmäßigen, teils spitz zulaufenden Formaten radikale Bildlösungen, die ihn zu einem Vorläufer auf dem Gebiet der Shaped Canvases machen. Schon in diesen Jahren geht Geiger dazu über, auf assoziative Bildtitel zu verzichten und seine Gemälde stattdessen fortlaufend zu nummerieren.

ZEN 49

Aus der avantgardistischen Galerie von Otto Stangl in München geht 1949 die Gruppe ZEN 49 hervor, der neben Rupprecht Geiger auch Willi Baumeister, Rolf Cavael, Gerhard Fietz, Willy Hempel, Brigitte Matschinsky-Denninghoff und Fritz Winter angehören. Geigers Gemälde jener Jahre sind geprägt von seinem Bestreben, das Bild allein aus der Farbe heraus zu entwickeln. Große Einzelformen dominieren die Bildfläche, die von ineinander übergehenden Modulationen und Farbverläufen geprägt ist.

Ab 1949 erhält Geiger wieder Aufträge als Architekt und baut zusammen mit seiner Frau Monika Geiger Privathäuser und Siedlungen in und um München, bis er sich nach 1962 ganz der bildenden Kunst zuwendet. Nun reduziert sich das formale Repertoire seiner Malerei auf Rechteck, Kreis und Oval, die fortan die wesentlichen Elemente seines bildnerischen Schaffens bleiben.

Die Farbe Rot

Ausgehend von dem „Rotbild (Bild 3)“ von 1961 – einer flächenfüllenden Modulation von Schwarz über Kadmiumrot zu hellem Rosa in unterschiedlichen Nuancen – gewinnt die Farbe Rot immer mehr Bedeutung in Geigers Werk. „Rot ist Leben, Energie, Potenz, Macht, Liebe, Wärme, Kraft. Rot macht high“, so der Künstler. Das kraftvolle Rot – in einer Vielfalt von Tönen, Schattierungen und Intensitäten, nicht selten mit Gelb und Orange zu einer glutvollen Farbwirkung gepaart – prägt das Werk von nun an und kann als Geigers malerisches Programm bezeichnet werden.

Professor an der Kunstakademie Düsseldorf

Die Jahre der Lehrtätigkeit an der Düsseldorfer Akademie von 1965 bis 1976 sind von zahlreichen Werkinnovationen geprägt. Zu nennen ist allem voran die Verwendung von fluoreszierenden, mit Acryldispersion gebundenen Farbpigmenten sowie die Aufgabe der traditionellen Malerei mit ihrem individuellen Pinselduktus zugunsten der Arbeit mit einer Spritzpistole. Diese ermöglicht nicht nur einen makellos gleichmäßigen, anonymisierten Farbauftrag, sondern auch einen fein und präzise justierten Übergang zarter farbiger Abstufungen. Von 1968 bis 1970 entsteht eine Serie von Gemälden mit bildbestimmenden Ovalen, die im Laufe der Jahre durchdekliniert wird bis hin zu ausgesägten Holztafeln, die wie schwebende Objekte auf der Wand wirken.

Noch einmal Rot

Ende der 1970er Jahre setzt sich das Rot als alleinige Farbgebung seiner Bilder endgültig durch und oszilliert zwischen einem kalten Magenta und einem warmen Orangerot. Einige Farbräume entstehen, darunter 1975 ein begehbarer Farbtank mit leuchtend rot gefärbten Innenwänden für das Museum Folkwang in Essen, 1985 die monumentale Rote Trombe“ (zusammen mit seinem Sohn Florian Geiger) für die Retrospektive in der Akademie der Künste in Berlin und 1989 ein Farbraum für die Städtische Galerie im Lenbachhaus München mit dem Titel Neues Rot für Gorbatschow“.

Das Spätwerk

Ab Mitte der 1980er Jahre entwickelt der Künstler noch einmal neue Werkgruppen, darunter formal-abstrakte Holzobjekte mit dem Titel „Metapherzahlen 0–9“, großformatige, bis zu 7 Meter lange Rollenbilder sowie Collagen. 2002 präsentiert der inzwischen 93-jährige Künstler auf der XXV. Bienal de São Paolo eine aus vier großformatigen Leinwänden bestehende Raumarbeit.

Arbeiten im öffentlichen Raum

Schon 1951 erhält Geiger seinen ersten öffentlichen Auftrag und gestaltet die Fassade des Münchener Hauptbahnhofs mit mosaikartig zusammengefügten Aluminiumplatten, 1973 entstehen Außenplastiken vor der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft. In den 1980er- und 1990er Jahren folgen zahlreiche weitere Aufträge, darunter das Objekt „Gerundetes Blau“ vor dem Kulturzentrum Gasteig (1987), die Installation Farbkomposition Rot“ in der Fachhochschule München (1990) und ein Fries für einen Innenraum im Deutschen Bundestag (1999).

Weitere Informationen zu Rupprecht Geiger

Text verfasst und bereitgestellt von Dr. Doris Hansmann, Kunsthistorikerin

Studium der Kunstgeschichte, Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft, Anglistik und Romanistik an der Universität zu Köln, 1994 Promotion. Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kunstmuseum Düsseldorf. Lektorin und Projektmanagerin im Wienand Verlag, Köln. Freiberufliche Tätigkeit als Autorin sowie Lektorin und Buchproduzentin für Verlage und Museen im In- und Ausland. Ab 2011 Cheflektorin im Wienand Verlag, von 2019 bis 2021 Senior Editor bei DCV, Dr. Cantz’sche Verlagsgesellschaft, Berlin. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts.

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