Ernst Ludwig Kirchner - Mädchenkopf mit Holzfigur am Fenster, 1919-1920

Öl auf Leinwand

60 x 49 cm / gerahmt 75 x 59 cm
23 x 19 inch / gerahmt 29 x 23 inch

rückseitig mit einem weiteren Gemälde: Blumen, Fragment, 1909
sowie dem Nachlassstempel und der Nummerierung „KN-Da/Ba 10“
mit einer Echheitsbestätigung Ernst Ludwig Kirchner Archiv Wichtrach, Schweiz

Provenienz:
Davos, Kirchner-Nachlass, 1938 / Basel, Kunstmuseum Basel, 1946 / Stuttgart, Stuttgarter Kunstkabinett Roman Norbert Ketterer, 1954

Werkverzeichnis:
Donald E. Gordon, Ernst Ludwig Kirchner. Mit einem kritischen Katalog sämtlicher Gemälde, München 1968, Kat. 628 mit s/w-Abb. S. 365

Literatur:
Wolfgang Henze, „Verzeichnis der doppelseitig bemalten Gemälde Ernst Ludwig Kirchners“, in: Der doppelte Kirchner. Die zwei Seiten der Leinwand, Ausst.-Kat. Kunsthalle Mannheim, Kirchner Museum Davos, hrsg. von Inge Herold, Ulrike Lorenz und Thorsten Sadowsky, Köln 2015, Kat. D98 mit Abb. S. 164

– in einem handgefertigten Modellrahmen –

N 9519

Über das Werk

Glücklich und froh, nach einer überaus schwierigen Lebensphase in den Schweizer Hochalpen bei Davos eine neue Heimat gefunden zu haben, kommt Ernst Ludwig Kirchner in der Abgeschiedenheit des einfachen Berglebens zur Ruhe. „Es ist wunderbar hier oben. Berge und Menschen haben eine reinigende Wirkung auf mich“, schreibt der Künstler im Sommer 1918. Hier gewinnt er neue Schaffenskraft und es entstehen in rascher Folge Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Druckgrafiken und Holzskulpturen. Darunter neben einer Vielzahl von Bergpanoramen und Darstellungen des Alplebens auch Porträts und Selbstbildnisse.

Gegenüber den Bildern der früheren Jahre vollzieht sich nun Schritt für Schritt ein Stilwandel in Kirchners malerischem Werk. Der Künstler verabschiedet sich zunehmend von der pulsierend-nervösen Bildsprache der Berliner Großstadtdarstellungen und wendet sich einer ruhigeren, flächenbetonteren Darstellungsweise zu.

Darüber hinaus greift er zu einer neuen Farbpalette, gibt nun eher zarteren, pastelligen Tönen den Vorzug gegenüber den oft kräftig bunten Farben der vergangenen Werkphasen. So auch in diesem großartigen Mädchenkopf von 1919/20. Hier wird die Figur von zartem Rosé, leuchtendem Pink und kühlen Blautönen, begleitet von kleinen violetten Einsprengseln, dominiert. Kontrastiert wird der Akkord durch ein helles, strahlendes Rot und ein tief glühendes Dunkelrot in den Ärmeln des Kleides, im Haar der jungen Frau und in der kleinen Holzskulptur auf der Fensterbank im Hintergrund.

„Es ist […] nicht richtig, meine Bilder mit dem Maßstab der naturgetreuen Richtigkeit zu beurteilen“, schreibt der Künstler 1925 in sein Davoser Tagebuch, „denn sie sind keine Abbildungen bestimmter Dinge oder Wesen, sondern selbständige Organismen aus Linien, Flächen und Farben, die Naturformen nur soweit enthalten, als sie als Schlüssel zum Verständnis notwendig sind. Meine Bilder sind Gleichnisse, nicht Abbildungen.“

Text verfasst und bereitgestellt von Dr. Doris Hansmann, Kunsthistorikerin

Studium der Kunstgeschichte, Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft, Anglistik und Romanistik an der Universität zu Köln, 1994 Promotion. Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kunstmuseum Düsseldorf. Lektorin und Projektmanagerin im Wienand Verlag, Köln. Freiberufliche Tätigkeit als Autorin sowie Lektorin und Buchproduzentin für Verlage und Museen im In- und Ausland. Ab 2011 Cheflektorin im Wienand Verlag, von 2019 bis 2021 Senior Editor bei DCV, Dr. Cantz’sche Verlagsgesellschaft, Berlin. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts.

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Ernst Ludwig Kirchner, Mädchenkopf mit Holzfigur am Fenster, 1919-1920, 60 x 49 cm / gerahmt 75 x 59 cm, N 9519
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