Erich Heckel

* 31.07.1883 | Döbeln
† 27.01.1970 | Radolfzell / Bodensee

Erich Heckel – Maler, Grafiker und Bildhauer – gehört zu den bedeutendsten deutschen Künstlern des 20. Jahrhunderts. Als Mitbegründer der Dresdener Künstlergruppe Brücke und einer der führenden Protagonisten der expressionistischen Avantgarde erlangte er schon früh internationale Berühmtheit.


Werke von Erich Heckel

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Erich Heckel
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Vita Erich Heckel

1883

Geboren am 31. Juli im sächsischen Döbeln; im Dezember des Jahres übersiedelt die Familie nach Dresden.

1894

Nach weiteren Umzügen der Familie wird Heckel Schüler des Realgymnasiums in Chemnitz, das er bis auf eine kurze Unterbrechung bis zum Abitur besucht.

1901/02

Heckel tritt dem Debattierclub Vulcan bei, wo er Karl Schmidt-Rottluff kennenlernt. Erste Malausflüge in die Umgebung werden unternommen. Vom Chemnitzer Kunstverein Kunsthütte erhält er eine Prämie als bester Nachwuchszeichner.

1903

Abitur. Erste Linol- und Holzschnitte entstehen.

1904

In Dresden lernt er die Architekturstudenten Ernst Ludwig Kirchner und Fritz Bleyl kennen.

Aufnahme eines Architekturstudiums an der Königlich-Sächsischen Technischen Hochschule. Er besucht abendliche Aktkurse und lernt in Ausstellungen die Arbeiten Emil Noldes und der französischen Impressionisten kennen. Erste Aquarelle, Gemälde auf Karton sowie skulpturale Arbeiten in Holz und Ton entstehen.  

1905

Karl Schmidt-Rottluff wird in den Freundeskreis aufgenommen. Am 7. Juni Gründung der Künstlergemeinschaft Brücke. Heckel und Schmidt-Rottluff mieten ein leerstehendes Ladenlokal als Atelier.

Heckel übernimmt eine Tätigkeit als technischer Zeichner im Architekturbüro Wilhelm Kreis.

Im November des Jahres erste Ausstellung der Brücke in der Kunsthandlung P.H. Beyer und Sohn in Leipzig. Die Galerie Arnold zeigt Arbeiten von Vincent van Gogh.

1906

Die Mitglieder der Brücke besuchen eine Ausstellung mit Werken von Edvard Munch in der Chemnitzer Kunsthütte. Emil Nolde und Max Pechstein treten der Brücke bei.

Heckel bricht im Oktober sein Architekturstudium ab. Erste Radierungen entstehen.

1907

Intensive Beschäftigung mit Holzskulpturen, von denen keine erhalten ist. Ende Juni Aufgabe der Tätigkeit im Architekturbüro Kreis.

In den Sommermonaten erster Aufenthalt im Dangastermoor bei Oldenburg mit Schmidt-Rottluff. Nach der Rückkehr entstehen erste Lithografien.  

1908

Von März bis Oktober erneuter Aufenthalt in Dangast, wo er die Kunsthistorikerin Rosa Schapire kennenlernt, die bereits passives Mitglied der Brücke ist.

In der Dresdener Galerie Emil Richter sieht Heckel Werke der Fauves.

1909

Italienreise von Februar bis Juni; in Rom mietet er ein Atelier und zeichnet in der Umgebung. 

1909–11

Sommeraufenthalte an den Moritzburger Teichen mit Kirchner und Max Pechstein sowie ihren Freudinnen und jugendlichen Modellen. Aktdarstellungen in freier Natur entstehen.

1910

Von März bis April gemeinsame Arbeit in Pechsteins Atelier in Berlin. Heckel knüpft Freundschaft mit Otto Mueller, der ebenfalls Mitglied der Brücke ist.

Er lernt die Tänzerin Sidi Riha (bürgerlicher Name: Milda Frieda Georgi) kennen.

1911

Heckel verbringt den Sommer mit Sidi Riha in Prerow an der Ostsee. Im Herbst gemeinsame Übersiedlung nach Berlin, wo er die Dachwohnung mit selbstbemalten und -gebatikten Stoffen ausstattet. Zirkuswelt und Großstadtleben erhalten als Bildmotive Einzug ins Werk.

1912

Beteiligung an der internationalen Sonderbund-Ausstellung in Köln, mit Kirchner zusammen übernimmt er die künstlerische Ausstattung eines Kapellenraums.

Freundschaft mit dem Kunsthistoriker und Sammler Walter Kaesbach und mit Lyonel Feininger, Begegnung mit Franz Marc und August Macke. Sein Bruder Manfred, als Bauingenieur in Deutsch-Ostafrika tätig, schenkt ihm afrikanische Gebrauchs- und Kunstgegenstände.

Heckel verbringt den Sommer auf Hiddensee.

1913

Am 27. Mai offizielle Auflösung der Künstlergruppe Brücke. Erste Einzelausstellung in der Galerie Fritz Gurlitt in Berlin. Heckel arbeitet erneut an Holzskulpturen.

Erster Aufenthalt in Osterholz an der Flensburger Förde, wo er bis 1943 jährlich einige Monate verbringt. Im Werk dieser Jahrzehnte wird die Steilküste zum Schauplatz zahlreicher Strandszenen.

1914

Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs meldet Heckel sich freiwillig zum Roten Kreuz.

1915–18

Er wird einem von Walter Kaesbach geleiteten Sanitätszug zugeteilt, dem auch andere Maler und Schriftsteller angehören. In Ostende lernt er Max Beckmann und James Ensor kennen.

Am 19. Juni 1915 bei einem Heimaturlaub Heirat mit Sidi Riha; sie trägt nun den Namen Siddi Heckel. Am 15. November 1918 Rückkehr nach Berlin.

1919

Kauf eines Bauernhauses an der Steilküste in Osterholz, das bis 1939 als Domizil der Sommeraufenthalte dient.

Einzelausstellung in der Kestner Gesellschaft Hannover.

1920

Erste Reise über Tübingen an den Bodensee.

1921–25

Reisen in die bayerischen und Schweizer Alpen.

1922–23

Arbeit an dem noch heute erhaltenen Wandbildzyklus im Angermuseum zu Erfurt.

1930

Verkauf des Hauses in Osterholz an Verwandte, das Atelier im Dachgeschoss steht Heckel aber weiterhin zur Verfügung.

Im September stirbt Otto Mueller in Breslau. Heckel und Karl Schmidt-Rottluff ordnen gemeinsam den Nachlass des Kollegen.

1931

Erste Retrospektive im Museum am Theaterplatz in Chemnitz mit 100 Gemälden aus den Jahren 1906 bis 1930.

1937

Heckel erhält offizielles Ausstellungsverbot, weit mehr als 700 seiner Werke werden aus den deutschen Museen entfernt, in der Ausstellung Entartete Kunst werden 15 seiner Arbeiten gezeigt. Er zieht sich zunehmend an die Flensburger Förde zurück, zahlreiche Aquarelle entstehen.

1940–42

Längere Arbeitsaufenthalte in Kärnten.

1944

Atelier und Wohnung in Berlin werden durch eine Brandbombe zerstört, hunderte von Papierarbeiten und 17 Gemälde vernichtet. Übersiedlung nach Wangen auf die Höri am Bodensee, im September Umzug in ein direkt am See gelegenes Haus im Nachbarort Hemmenhofen.

1945–48

Mehr als 200 Arbeiten, die während des Krieges im Salzbergwerk Neustaßfurt bei Magdeburg ausgelagert sind, werden kurz nach Kriegsende durch Brandstiftung zerstört, andere sind auf polnischem oder russisch besetztem Gebiet verstreut.

1949–55

Professor für Malerei an der Akademie der Künste in Karlsruhe.

1950

Heckel wird Vorstandsmitglied des neu gegründeten Deutschen Künstlerbundes in Berlin.

1953

Der Bau eines eigenen Hauses in Hemmenhofen wird vollendet, das Paar bezieht sein Domizil 1955. 

Anlässlich des 70. Geburtstags Retrospektiven in Berlin, Essen, Hannover, Karlsruhe und Münster. Er erhält das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland.

1954–65

Jährliche Sommeraufenthalte im schweizerischen Oberengadin sowie an der deutschen Nordseeküste, vor allem auf Sylt. Zudem zahlreiche Reisen, unter anderem nach Amsterdam, an die holländische Küste, in die Normandie, an die Côte dʼAzur und nach Paris.

Heckels Arbeiten sind auf der ersten documenta in Kassel vertreten.

1961–67

Zahlreiche Ehrungen, darunter der Kunstpreis des Landes Nordrhein-Westfalen, die Ehrenbürgerwürde der Universität Kiel und der Orden Pour le Mérite für Wissenschaft und Künste.

1963

Anlässlich des 80. Geburtstags große Ausstellungen in Berlin, Essen, Hamburg, Karlsruhe, Stuttgart und München.

1968

Während eines Aufenthalts im Tessin erleidet der Künstler einen Schlaganfall. Nach der Rückkehr nach Hemmenhofen entstehen letzte Arbeiten auf Papier.

1970

Stirbt 87-jährig am 27. Januar im Krankenhaus in Radolfzell.

Die Brücke in Dresden: 1904 bis 1911

Am 7. Juni 1905 gründeten vier junge Architekturstudenten der Technischen Hochschule in Dresden, Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner, Karl Schmidt-Rottluff und Fritz Bleyl, die Künstlergruppe Brücke. Damit begann eine Entwicklung, die Geschichte schreiben sollte. Im Atelier zeichneten sie unermüdlich nach dem lebenden Modell; der anti-akademische „Viertelstundenakt“ wechselte nach 15 Minuten seine Stellung.  

Heckels frühe Gemälde lassen mit ihren unruhigen, züngelnden Linien und ihrer pastose Malweise in kräftigen Farben eine Nähe zu van Gogh spüren. Doch ging der flammende Stil der Anfangsjahre 1909 in eine vereinfachte Formensprache über: Großzügige, unmodellierte und oft konturierte Flächen in einem weichen, flüssigen Farbauftrag kennzeichnen diese Bilder.

Die an den Moritzburger Teichen entstandenen Werke bilden einen Höhepunkt der Brücke-Kunst. Seite an Seite wurde oft vor dem gleichen Motiv gemalt: Landschaften und Akte in freier Natur mit großen beruhigten Flächen und leuchtenden Farbakkorden.   

Ab 1910 widmete sich der Künstler dem Stillleben in Arrangements von selbstgeschnitzten Möbeln und Figuren, Masken, Schalen, Blumen und Früchten, nicht selten vor dem Hintergrund der exotisierenden Wandmalereien des Ateliers.

Berlin ab 1911

Heckels Übersiedung nach Berlin initiierte einen stilistischen Wandel. Mit Darstellungen aus dem Leben der Großstadt sowie Zirkusszenen erschloss sich der Maler neue Motivkreise. Die strahlenden Farben mündeten nun in eine gewisse Tonigkeit, die starke Flächenhaftigkeit der Dresdener Jahre wich einer Auseinandersetzung mit Kubismus und Futurismus. Der Maler trieb diese Entwicklung bis zu einer kristallinen Zersplitterung der Flächen voran.

Erster Weltkrieg

Trotz Materialknappheit gelang es Heckel, während seines Sanitätsdienstes in Ostende die Abendstunden für die Arbeit zu nutzen. Er fertigte Zeichnungen, Aquarelle, Holzschnitte, Lithografien und Gemälde; von 1915 bis 1918 entstanden mehr als 70 Ölgemälde und ähnlich viele Arbeiten auf Papier. Die Motive leidender oder verletzter Soldaten spiegeln die Brutalität des Krieges auf zurückhaltende, innerliche Weise in einer gedrückten, melancholischen Atmosphäre.

Für die in einem Bahnhofsgebäude untergebrachte Krankensammelstelle schuf der Künstler mehrere Wandgemälde sowie zum Weihnachtsfest 1915 die „Madonna von Ostende“, in Leimfarben auf großen Zeltbahnen gemalt. In Berlin sorgte Heckels Frau Siddi währenddessen für eine bemerkenswert rege Ausstellungstätigkeit.

Die 1920er Jahre

Vom Krieg und seinen Erlebnissen geprägt, zog der Künstler sich zunehmend in das kleine Dorf Osterholz an der Flensburger Förde zurück. Sein malerisches Werk gründete sich in Landschaften, Stillleben, Akten und Porträts auf eine sachlich beruhigte, realistischere Bildsprache und eine an der Wirklichkeit orientierte Farbgebung. Eine maßvolle, ausgewogene Bildkomposition und klassisch anmutende Figurendarstellung sind die Kennzeichen dieser Schaffensperiode.

Reisen quer durch Europa brachten zahlreiche Landschaftseindrücke, die im Werk ihren Widerhall fanden, oft geprägt durch einen großzügigen, von erhöhtem Standort gesehenen Bildraum – ein Kompositionsmerkmal, das auch in den Stadt- und Hafenansichten Niederschlag fand, die in den 1920er Jahren einen großen Stellenwert im Œuvre einnahmen.

Die 1930er Jahre

Um 1930 entstanden eindrucksvolle Porträts seiner Künstlerfreunde James Ensor, Otto Mueller und Christian Rohlfs. Heckel begann die Tradition der sogenannten Jahresblätter, kleinformatiger Holzschnitte, die er zum Jahreswechsel an Freunde verschickte.

Angesichts der großen Kriegsverluste beschloss Heckel, einige seiner verschollenen oder zerstörten Bilder noch einmal zu malen.

Das Spätwerk

Unmittelbar nach dem Krieg griff er die Technik der Lithografie wieder auf, die seit 1933 geruht hatte. Die letzte Werkphase ist geprägt von einer lyrischen Gestimmtheit, einer Aufhellung der Palette und großer Naturnähe. Die Landschaftsmalerei dominiert mit Darstellungen der Gebirgswelt des Oberengadins und der Nordsee auf Sylt in Grau-, Braun- und Grüntönen und einer reduzierten, flächigen Bildauffassung mit einer Tendenz zu ornamentaler Abstraktion.

Weitere Informationen zu Erich Heckel

Text verfasst und bereitgestellt von Dr. Doris Hansmann, Kunsthistorikerin

Studium der Kunstgeschichte, Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft, Anglistik und Romanistik an der Universität zu Köln, 1994 Promotion. Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kunstmuseum Düsseldorf. Lektorin und Projektmanagerin im Wienand Verlag, Köln. Freiberufliche Tätigkeit als Autorin sowie Lektorin und Buchproduzentin für Verlage und Museen im In- und Ausland. Ab 2011 Cheflektorin im Wienand Verlag, von 2019 bis 2021 Senior Editor bei DCV, Dr. Cantz’sche Verlagsgesellschaft, Berlin. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts.

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